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AG, SE und KGaA: Aktionär zieht nach Mallorca

Erstveröffentlichung: 09. August 2026 · Letzte Aktualisierung: 18. September 2026
Lesezeit: 41 Min.

Kurz & klar

Der Umzug eines Aktionärs nach Mallorca verlegt weder Sitz noch Geschäftsleitung der Gesellschaft automatisch. Entscheidend sind Rolle, wirtschaftliche Zurechnung, Beteiligungshistorie, Bewertung und der konkrete Zahlungsvorgang. Bei einer wirksamen Option nach Art. 93 LIRPF dürfen die normalen DBA-Artikel 4 und 6 bis 21 wegen des Protokolls zum DBA nicht ungeprüft angewendet werden.

Das Wichtigste im Überblick

Der private Umzug eines Aktionärs nach Mallorca verlegt weder den Sitz noch die Geschäftsleitung einer AG, SE oder KGaA automatisch. Zuerst muss feststehen, ob die Person nur Aktionär oder Kommanditaktionär, zugleich Vorstands-, Aufsichtsrats- oder Verwaltungsratsmitglied, tatsächlich geschäftsleitend oder persönlich haftender Gesellschafter einer KGaA ist. Jede Rolle und jede Zahlung folgt ihrem eigenen Rechts- und Steuerpfad.

Die persönliche Steuerpflicht wird zunächst nach deutschem und spanischem innerstaatlichem Recht geprüft. Nur soweit das DBA anwendbar ist, folgt bei Doppelansässigkeit die vollständige Reihenfolge des Art. 4 DBA. Eine wirksame Option für das spanische Sonderregime nach Art. 93 LIRPF verändert diesen Ablauf grundlegend: Nach Ziffer II des Protokolls zum DBA gelten Art. 4 sowie Art. 6 bis 21 für diese spanischen Steuerpflichtigen nicht. Dann dürfen insbesondere die gewöhnlichen DBA-Regeln zu Dividenden, Veräußerungsgewinnen und Organvergütungen nicht einfach übernommen werden.

§ 6 AStG greift nicht wegen jeder Aktie und nicht wegen jedes Mallorca-Umzugs. Er setzt Anteile im Sinne des § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG, die persönlichen Voraussetzungen nach § 6 Abs. 2 AStG einschließlich seiner Sonderregel nach einer Rückkehr und einen der drei gesetzlichen Auslösetatbestände voraus. Börsennotierte Aktien werden grundsätzlich nach ihrem Kurswert, nicht börsennotierte Anteile nach § 11 Abs. 2 BewG bewertet. Anteilsklasse, Stimm-, Gewinn-, Liquidations- und Verfügungsrechte sowie wirtschaftliches Eigentum können den Wert und die Zurechnung verändern.

Bei deutschen Dividenden sind Zahlungsart, deutscher Steuerabzug, ein gegebenenfalls anwendbarer DBA-Höchstbetrag, deutsches Entlastungsverfahren und spanische Behandlung getrennte Schritte. Verkauf, Liquidation, Einlagenrückgewähr und Kapitalherabsetzung sind keine austauschbaren Etiketten. Aufsichtsrats- und Verwaltungsratsvergütungen können bei anwendbarem DBA Art. 15 unterliegen; Vorstands- oder sonstiger Arbeitslohn fällt nicht allein wegen der Organstellung darunter. Vergütungen eines persönlich haftenden KGaA-Gesellschafters benötigen zusätzlich den Sonderpfad des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG.

Spanische Einkommensteuer, Vermögensteuer, staatliche Solidaritätssteuer und Meldepflichten müssen für jedes Jahr mit dem dann geltenden spanischen Recht geprüft werden. Ohne vollständige Rollen-, Ansässigkeits-, Beteiligungs-, Bewertungs-, Zahlungs-, Verkaufs- und Vermögensakte ist keine abschließende Einzelfallbeurteilung möglich.

Zuerst die Rolle bestimmen

Die Prüfung beginnt bei der natürlichen Person. Bloße Aktionärs- oder Kommanditaktionärsstellung, förmliche Organfunktion, tatsächliche geschäftliche Oberleitung und die Stellung als persönlich haftender KGaA-Gesellschafter sind getrennte Rollen. Keine dieser Rollen folgt allein aus einer anderen.

Für jede betroffene Person sind Satzung, Organbestellung, Organvertrag, tatsächliche Entscheidungsbefugnisse und eine mögliche KGaA-Stellung festzustellen. Bei Doppelrollen wird außerdem jede Zahlung nach ihrem eigenen Rechtsgrund eingeordnet. Fehlt die Rollenakte, endet der betroffene Steuer- oder DBA-Pfad.

Rollenmatrix

Person oder Rolle Kennzeichen Nicht gleichzusetzen mit Primärer Steuerpfad Pflichtnachweise Entscheidungsgrenze
Bloßer Aktionär einer AG oder SE Kapitalbeteiligung ohne Organ- oder Leitungsfunktion Vorstand, Verwaltungsrat, tatsächlicher Leiter Ansässigkeit, § 6 AStG, Dividende, Verkauf, Vermögen Depot, Register, Erwerbs- und Beteiligungshistorie Ohne Zurechnung keine Steuerfolge
Kommanditaktionär einer KGaA Beteiligung am Aktienkapital ohne persönliche Haftung Persönlich haftender Gesellschafter Aktionärspfad Satzung, Register, Depot Doppelrolle ausschließen oder dokumentieren
Organmitglied Förmliche Bestellung und Organpflichten Bloßer Aktionär oder automatisch tatsächlicher Leiter Organvergütung, Tätigkeit, Ansässigkeit; gegebenenfalls Unternehmenspfad Bestellung, Organvertrag, Protokolle, Vollmachten Ohne Organakte keine Vergütungs- oder DBA-Einordnung
Tatsächlich leitende Person Maßgebliche geschäftliche Oberleitung aufgrund realer Entscheidungen Formale Organstellung Sitz-, Geschäftsleitungs-, Körperschaftsteuer- und DBA-Pfad der Gesellschaft Entscheidungsprotokolle, Kommunikations- und Zeichnungswege Kein Unternehmensergebnis ohne Leitungsakte
Persönlich haftender KGaA-Gesellschafter Unbeschränkte Haftung und besondere Geschäftsführungsstellung Kommanditaktionär § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG und gesonderter DBA-Pfad Satzung, Tätigkeits-, Darlehens-, Nutzungs- und Zahlungsakte Keine Behandlung als gewöhnliche Dividende

Bei Namensaktien bestehen Rechte und Pflichten gegenüber der Gesellschaft grundsätzlich nur für und gegen die im Aktienregister eingetragene Person. Das entscheidet aber nicht allein über die steuerliche Zurechnung. Registereintrag, rechtliches Eigentum, wirtschaftliche Herrschaft und Nutzungsberechtigung können auseinanderfallen.

Register, Eigentum und Zurechnung

Ebene Prüffrage Beleg Mögliche Abweichung Steuerliche Bedeutung weiterer Prüfbedarf
Aktienregister Wer ist gegenüber der Gesellschaft eingetragen? Registerauszug Eingetragener hält für einen anderen Gesellschaftsrechte Satzungs- und Registerprüfung
Rechtliches Eigentum Wem gehören die Aktien zivilrechtlich? Kauf-, Schenkungs-, Erb- oder Treuhandvertrag Registereintrag kann abweichen Ausgangspunkt der Zurechnung Gesellschaftsrechtliche Prüfung
Wirtschaftliche Zurechnung Wer kann den Eigentümer wirtschaftlich ausschließen? Treuhand-, Nießbrauch-, Sicherungs- und Kontrollunterlagen Abweichung vom rechtlichen Eigentümer Ertrags- und Anteilszurechnung Steuerliche Einzelfallprüfung
Depot Auf wessen Rechnung werden Aktien verwahrt? Vollständige Depotauszüge Intermediär oder Gemeinschaftsdepot Zahlungs- und Verkaufskette Bank- und Zurechnungsabgleich
Nutzungsberechtigung Wer darf die Dividende wirtschaftlich behalten? Zahlungs- und Vertragskette Durchleitung oder fremde Rechnung Art. 10 DBA und Entlastung DBA- und §-50d-Einzelfallprüfung

Vor der Zurechnung von Stimmrechten, Dividenden, Anteilen oder Veräußerungsgewinnen sind Register, Depot, Verträge und tatsächliche Herrschaft abzugleichen. Der Registereintrag allein beweist weder wirtschaftliches Eigentum noch abkommensrechtliche Nutzungsberechtigung.

AG, SE und KGaA im Vergleich

Eine AG ist eine eigene Rechtsperson mit in Aktien zerlegtem Grundkapital. Für ihre Verbindlichkeiten haftet grundsätzlich nur das Gesellschaftsvermögen. Der private Umzug eines bloßen Aktionärs verändert weder diese Rechtspersönlichkeit noch die Haftungsmasse. Satzungsänderungen, Unternehmensmaßnahmen und eine tatsächliche Leitung aus Spanien bleiben eigene Sachverhalte.

Bei einer SE gilt zuerst die SE-Verordnung. Die Satzung folgt nur, soweit die Verordnung dies ausdrücklich zulässt. Für nicht oder nur teilweise geregelte Bereiche gelten die besonderen SE-Vorschriften des Sitzstaats, das dort für Aktiengesellschaften maßgebliche Recht und die hiernach maßgeblichen Satzungsbestimmungen. Der Umzug eines SE-Aktionärs verlegt den Sitz der SE nicht; eine Sitzverlegung bleibt ein eigenständiger gesellschaftsrechtlicher Vorgang. Ohne Verordnungstatbestand, Sitzstaat und Satzung ist keine Einordnung belastbar.

Auch die KGaA ist eine eigene Rechtsperson. Mindestens ein persönlich haftender Gesellschafter haftet unbeschränkt. Kommanditaktionäre sind am Aktienkapital beteiligt, haften aber nicht persönlich für Gesellschaftsverbindlichkeiten. Geschäftsführung und Vertretung der persönlich haftenden Gesellschafter folgen den besonderen, in § 278 AktG bezeichneten KG-Regeln; die in § 283 AktG genannten Vorstandsvorschriften gelten sinngemäß.

Rechtsformenvergleich

Rechtsform Eigene Rechtsperson Anteilseignerrolle Leitungsstruktur Vorrangige Regel Wirkung des privaten Umzugs weiterer Prüfbedarf
AG Ja Aktionär Vorstand und weitere Organe nach Fall Aktienrecht und Satzung Keine automatische Sitz- oder Leitungsverlagerung Organ- und Leitungsakte bei Zusatzfunktion
SE Ja Aktionär Dualistisch oder monistisch nach Ausgestaltung SE-Verordnung; Satzung nur bei ausdrücklicher Ermächtigung; sonst besondere SE-Regeln des Sitzstaats, dessen AG-Recht und hiernach maßgebliche Satzung Keine automatische Sitzverlegung Ohne Sitzstaat und Satzung kein Ergebnis
KGaA Ja Kommanditaktionär und mindestens ein persönlich haftender Gesellschafter Persönlich haftende Gesellschafter führen und vertreten nach besonderem Regelwerk § 278 und § 283 AktG, Satzung Keine automatische Verlagerung; Doppelrollen möglich Haftungs-, Tätigkeits- und Zahlungsakte

Der Sitz einer Körperschaft ist der durch Gesetz, Gesellschaftsvertrag, Satzung oder eine vergleichbare Grundlage bestimmte Ort. Davon getrennt ist die Geschäftsleitung als Mittelpunkt der geschäftlichen Oberleitung. Sitz und Geschäftsleitung sind eigenständige Anknüpfungen der deutschen Körperschaftsteuerpflicht.

Person und Gesellschaft getrennt prüfen

Sachverhalt Betrifft Person oder Gesellschaft Rechtsanknüpfung Benötigte Tatsachen Mögliche Folge Entscheidungsgrenze
Wohnung auf Mallorca Person Deutsche und spanische Ansässigkeit Wohnungs- und Aufenthaltsdaten Persönliche Steuerpflicht Ohne Kalender keine Ansässigkeit
Satzungsmäßiger Sitz Gesellschaft Satzung und § 11 AO; bei SE zusätzlich SE-Recht Aktuelle Satzung Sitzanknüpfung Ohne Satzung kein Ergebnis
Leitungsentscheidungen aus Mallorca Gesellschaft und handelnde Person § 10 AO und DBA Wer entscheidet wann und wo? Eigener Unternehmenspfad Keine Pauschalaussage
Dividendenbeschluss Person als Ertragsempfänger und Gesellschaft als Schuldner Zahlungsqualifikation und Abzug Beschluss, Zahlung, Zurechnung Dividenden- und Quellensteuerpfad Ohne Zahlungskette kein Ergebnis
Organvergütung Person und gegebenenfalls Gesellschaft Tätigkeits- und DBA-Artikel Vertrag, Tätigkeitstage, Zahlungsgrund Kein Aktionärsstandardfall Organ-Einzelfallprüfung

Der Wohnsitzwechsel eines Aktionärs verlegt Sitz oder Geschäftsleitung somit nicht automatisch. Trifft die Person von Mallorca aus tatsächlich die maßgeblichen Leitungsentscheidungen, muss zusätzlich ein Unternehmenspfad eröffnet werden. Für eine doppelt ansässige Gesellschaft enthält Art. 4 DBA eine eigene Anknüpfung an die tatsächliche Geschäftsleitung. Diese Regel darf nicht auf die natürliche Person übertragen werden. Ohne Entscheidungs-, Sitzungs-, Kommunikations- und Vollmachtsakte bleibt der Leitungsort offen.

Wohnsitz und Ansässigkeit

Die Reihenfolge ist zwingend: zuerst deutsches innerstaatliches Recht, danach spanisches innerstaatliches Recht und erst bei innerstaatlicher Doppelansässigkeit Art. 4 DBA.

In Deutschland ist eine natürliche Person mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt unbeschränkt einkommensteuerpflichtig. Ein Wohnsitz verlangt eine Wohnung, die unter Umständen innegehalten wird, welche auf Beibehalten und Benutzen schließen lassen. Meldestatus, Eigentum oder Schlüsselbesitz allein ersetzen diese Tatsachenprüfung nicht.

Ein zeitlich zusammenhängender Aufenthalt von mehr als sechs Monaten gilt in Deutschland grundsätzlich von Beginn an als gewöhnlicher Aufenthalt. Das gilt nicht bei einem Aufenthalt, der ausschließlich Besuchs-, Erholungs-, Kur- oder ähnlichen privaten Zwecken dient und höchstens ein Jahr dauert. Reisetage und Aufenthaltszweck müssen deshalb belegt werden. Besondere Behandlungen nach § 1 Abs. 2 oder 3 EStG sind gesondert zu prüfen; sie zählen nicht für den persönlichen Sieben-aus-zwölf-Jahre-Test des § 6 AStG.

Spanische Ansässigkeit kann insbesondere entstehen, wenn sich die Person im Kalenderjahr mehr als 183 Tage in Spanien aufhält. Sporadische Abwesenheiten werden grundsätzlich mitgerechnet, solange keine ausländische Steueransässigkeit nachgewiesen wird. Gesetzliche Ausnahmen bleiben fallbezogen zu prüfen.

Unabhängig von der Tageszahl kann der unmittelbare oder mittelbare Kern beziehungsweise die Basis der wirtschaftlichen Tätigkeiten oder Interessen in Spanien zur Ansässigkeit führen. Eine gesetzliche widerlegbare Vermutung besteht nur, wenn der nicht gesetzlich getrennte Ehegatte und die abhängigen minderjährigen Kinder nach den vorherigen Kriterien gewöhnlich in Spanien ansässig sind. Familienstand, Abhängigkeit und gewöhnliche spanische Ansässigkeit dieser Familienmitglieder sind daher zu belegen; ein einzelnes Familienindiz genügt nicht.

Sind beide Staaten nach ihrem innerstaatlichen Recht zuständig, wird Art. 4 DBA lückenlos angewendet: ständige Wohnstätte, Mittelpunkt der Lebensinteressen, gewöhnlicher Aufenthalt, Staatsangehörigkeit und erforderlichenfalls ein Verständigungsverfahren. Keine Stufe darf übersprungen werden.

Ausnahme Art. 93 LIRPF: Hat die Person wirksam für das spanische Sonderregime optiert, gilt Art. 4 DBA nach Ziffer II des Protokolls gerade nicht. In diesem Fall darf weder eine DBA-Ansässigkeit nach dem Tie-breaker noch einer der Einkunftsartikel 6 bis 21 ohne Protokollprüfung zugrunde gelegt werden.

Dreistufige Ansässigkeitsprüfung

Stufe Staat oder Norm Test Zeitraum Nachweise Ausnahme Ergebnis oder weiterer Prüfbedarf
1 Deutschland, § 1 EStG und §§ 8–9 AO Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt Ereignisjahr und Folgejahre Wohnungen, Verfügbarkeit, Reisetage, Aufenthaltszweck Private Besuchs- und Erholungsausnahme bei § 9 AO Deutsche unbeschränkte Steuerpflicht ja, nein oder offen
2 Spanien, Art. 8–9 LIRPF Mehr als 183 Tage im Kalenderjahr oder wirtschaftlicher Interessenschwerpunkt Kalenderjahr Reisetage, Steuerbescheinigungen, Tätigkeiten, Vermögen, Familie Sporadische Abwesenheiten; Familienvermutung nur bei nicht gesetzlich getrenntem Ehegatten und abhängigen minderjährigen Kindern, die nach den vorherigen Kriterien gewöhnlich in Spanien ansässig sind Spanische Ansässigkeit ja, nein oder offen
3 Art. 4 DBA Wohnstätte, Lebensinteressen, gewöhnlicher Aufenthalt, Staatsangehörigkeit, Verständigung Betroffenes Steuerjahr Vollständige Wohn-, Familien-, Wirtschafts- und Reisetageakte Bei wirksamer Art.-93-Option nach Ziffer II des DBA-Protokolls nicht anwendbar Ausschließliche DBA-Ansässigkeit oder Behördenverfahren

Ein Umzugstag ist kein Ersatz für diese Prüfung. Besteht eine nutzbare deutsche Wohnung fort oder werden spanische Kriterien bereits früher oder später erfüllt, können innerstaatlich unterschiedliche Zeitpunkte und eine zeitweilige Doppelansässigkeit entstehen.

Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG

§ 6 AStG wird nicht allein wegen des Wortes Wegzug angewendet. Für Tatbestände nach dem 31. Dezember 2021 sind sieben Fragen einzeln zu beantworten: natürliche Person, unbeschränkte Steuerpflicht am relevanten Ausgangspunkt, Sieben-aus-zwölf-Jahre-Test, §-17-Anteil, einer der drei Auslösetatbestände, gesetzlicher Zeitpunkt sowie gemeiner Wert gegenüber Anschaffungskosten.

Der persönliche Test verlangt grundsätzlich innerhalb der zwölf Jahre vor dem Auslösetatbestand insgesamt mindestens sieben Jahre unbeschränkte Steuerpflicht nach § 1 Abs. 1 EStG. Ist ein früherer Steueranspruch wegen einer Rückkehr nach § 6 Abs. 3 AStG entfallen, gilt für den Steuerpflichtigen und seine unmittelbaren oder mittelbaren Rechtsnachfolger die Sonderregel des § 6 Abs. 2 Satz 4 AStG; der Sieben-aus-zwölf-Jahre-Test muss dann nicht erneut erfüllt sein. Bei unentgeltlichem Anteilserwerb werden gesetzlich bestimmte Zeiten der Rechtsvorgänger einbezogen; zeitliche Überschneidungen zählen nur einmal. Ohne taggenaue Steuerpflichts- und Erwerbshistorie ist keine Anwendungsaussage möglich.

Sachlich werden nur Anteile im Sinne des § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG erfasst. Grundsätzlich genügt eine unmittelbare oder mittelbare Beteiligung von mindestens 1 Prozent zu irgendeinem Zeitpunkt innerhalb der letzten fünf Jahre. Der Anteil darf am Auslösetag unter 1 Prozent liegen, wenn die Mindestquote zuvor im Fünfjahresfenster erreicht war. Sonderregeln für unentgeltliche Rechtsvorgänger und bestimmte Einbringungsfälle erfordern eine vollständige Erwerbs- und Beteiligungskette.

Persönlicher und sachlicher Anwendungsbereich

Anwendungsbereich-Baustein Gesetzlicher Test Zeitraum oder Schwelle Pflichtnachweis Rechtsfolge Entscheidungsgrenze
Person Natürliche Person und im Tatbestandszeitpunkt unbeschränkt steuerpflichtig Ereignistag Wohn- und Steuerpflichtsakte Persönlicher Anwendungsbereich möglich Ohne Ereignistag kein Ergebnis
Historie Unbeschränkte Steuerpflicht nach § 1 Abs. 1 EStG Grundsätzlich mindestens sieben Jahre innerhalb der letzten zwölf Jahre; Sonderregel nach § 6 Abs. 2 Satz 4 AStG bei zuvor entfallenem Rückkehrsteueranspruch Taggenaue Historie Persönlicher Test erfüllt oder nicht § 1 Abs. 2 oder 3 nicht einrechnen
Rechtsvorgänger Gesetzliche Einbeziehung bei unentgeltlichem Erwerb Innerhalb desselben Zwölfjahresfensters Schenkungs- oder Erbkette Zeiten werden nach Gesetz einbezogen Überlappungen nur einmal
Anteil Anteil im Sinne des § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG Mindestens 1 Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre Direkte und mittelbare Quotenhistorie Sachlicher Anwendungsbereich möglich Aktuelle Kleinquote schließt Anwendungsbereich nicht aus
Wert Gemeiner Wert gegenüber Anschaffungskosten Auslösestichtag Bewertung und Kostenakte Fiktiver Gewinn nur nach vollständiger Bewertung Keine Artikelberechnung

Börsennotierte und nicht börsennotierte Aktien bewerten

Für die Wegzugsbesteuerung genügt weder der letzte Jahresabschluss noch ein beliebiger Börsenkurs. Bewertungsobjekt, Anteilsklasse, Stichtag und wirtschaftliche Zurechnung müssen zusammenpassen.

Beteiligung Ausgangspunkt Zwingend zu prüfen Nicht ausreichend
Börsennotierte Aktie Im Anwendungsbereich des § 11 Abs. 1 BewG niedrigster Kurs am gesetzlichen Stichtag; fehlt eine Notierung, letzter Kurs innerhalb von 30 Tagen vor dem Stichtag konkrete ISIN und Anteilsklasse, maßgeblicher Markt, Stichtagskurs, Handelbarkeit, außergewöhnliche Marktumstände und gegebenenfalls besonderer Paketeinfluss Durchschnittskurs eines beliebigen Zeitraums oder Kurs einer anderen Anteilsklasse
Nicht börsennotierter Anteil Gemeiner Wert nach § 11 Abs. 2 BewG Verkäufe unter fremden Dritten innerhalb des letzten Jahres; andernfalls Ertragsaussichten oder eine anerkannte, im Geschäftsverkehr übliche Methode; Untergrenze Substanzwert unkritischer Buchwert, Nennwert oder alleinige Multiplikation des Unternehmenswerts mit der Kapitalquote
Beteiligungspaket oder Sonderklasse Gegebenenfalls besonderer Beteiligungswert nach § 11 Abs. 3 BewG Beherrschung, Vetorechte, Liquidationspräferenz, Mehr- oder Minderstimmrechte, Veräußerungsbeschränkungen, Drag-/Tag-along und sonstige Sonderrechte Gleichsetzung aller Aktienklassen und isolierte Minderheitsquote

Bei nicht börsennotierten Anteilen ist das vereinfachte Ertragswertverfahren nur eine mögliche Methode und darf nicht zu einem offensichtlich unzutreffenden Ergebnis führen.

Das Gesetz kennt drei Auslösetatbestände. Der erste ist die Beendigung der unbeschränkten Steuerpflicht infolge der Aufgabe von Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt. Bleibt die unbeschränkte Steuerpflicht bestehen, ist dieser Tatbestand nicht erfüllt. Der dritte Tatbestand kann dennoch gesondert zu prüfen sein.

Der zweite Tatbestand ist die unentgeltliche Übertragung erfasster Anteile auf eine nicht unbeschränkt steuerpflichtige Person. Teilentgeltliche, verdeckte oder anderweitig vorrangig geregelte Vorgänge benötigen eine gesonderte Einordnung.

Der dritte Tatbestand erfasst subsidiär den Ausschluss oder die Beschränkung des deutschen Besteuerungsrechts für einen Veräußerungsgewinn. Die Tatbestände eins und zwei sowie vorrangige Veräußerungstatbestände des Einkommensteuer-, Körperschaftsteuer- oder Umwandlungssteuerrechts gehen vor.

Drei Tatbestände, Zeitpunkte und Wertfolge

Tatbestand Auslösendes Ereignis Gesetzlicher Zeitpunkt Wertansatz Vorrang oder Ausnahme Pflichtakte weiterer Prüfbedarf
§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Ende der unbeschränkten Steuerpflicht durch Aufgabe von Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt Zeitpunkt des Endes Gemeiner Wert Kein Tatbestand, wenn Steuerpflicht fortbesteht Wohn-, Aufenthalts- und Umzugsakte Ansässigkeits- und Bewertungsprüfung
§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Unentgeltliche Übertragung auf nicht unbeschränkt steuerpflichtige Person Übertragungszeitpunkt Gemeiner Wert Vorrangige Veräußerungstatbestände beachten Vertrag, Empfängerstatus, Zurechnung Übertragungs- und Bewertungsprüfung
§ 6 Abs. 1 Nr. 3 Ausschluss oder Beschränkung des deutschen Veräußerungsbesteuerungsrechts Unmittelbar vor Eintritt Gemeiner Wert Subsidiär zu Nr. 1 und 2 DBA-, Sachverhalts- und Beteiligungsakte Entstrickungsprüfung

Maßgeblich ist der anteilsbezogene gemeine Wert am gesetzlichen Ereigniszeitpunkt. Bewertungsstichtag, Bewertungsunterlagen und Anschaffungskosten müssen vollständig vorliegen. Nach der veröffentlichten Verwaltungspraxis werden die drei Tatbestände als abschließend und die Anteile einzeln betrachtet. Danach realisiert § 6 AStG keinen Wertverlust, wenn der gemeine Wert die Anschaffungskosten nicht übersteigt. Diese Verwaltungsaussage ersetzt weder das Gesetz noch eine individuelle Verlustprüfung.

Nach einer fingierten Veräußerung gelten die Anteile für deutsche Zwecke nur insoweit als zum gemeinen Wert erworben, wie die auf den Veräußerungsgewinn entfallende Steuer tatsächlich entrichtet wurde. Soweit sie nicht entrichtet wurde, bleiben für deutsche Zwecke die ursprünglichen Anschaffungskosten maßgeblich. Bei einem späteren wirklichen Verkauf sind die Gewinnermittlung nach § 17 EStG und die Kosten erneut zu prüfen. Aus dieser deutschen Regel folgt kein spanischer Anschaffungswert.

Für einen vor dem 1. Januar 2022 verwirklichten Tatbestand gilt grundsätzlich § 6 AStG in der am 30. Juni 2021 geltenden Fassung fort. Die Abweichungen des § 21 Abs. 3 AStG und dessen Sonderregeln für Ausschüttungen oder Einlagenrückgewähr nach dem 16. August 2023 sind gesondert zu prüfen. Alt- und Neurecht dürfen nicht vermischt werden.

Rückkehr, Jahresraten und Meldepflichten

Beruht die Beendigung der unbeschränkten Steuerpflicht nach § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AStG auf nur vorübergehender Abwesenheit, kann der Steueranspruch des aktuellen Regimes entfallen, wenn die Person innerhalb von sieben Jahren wieder nach § 1 Abs. 1 EStG unbeschränkt steuerpflichtig wird und sämtliche weiteren Voraussetzungen erfüllt.

Die Anteile dürfen zwischenzeitlich grundsätzlich weder veräußert noch übertragen oder in Betriebsvermögen eingelegt werden. Ausschüttungen und Einlagenrückgewähr dürfen zusammen nicht mehr als ein Viertel des maßgeblichen Werts betragen. Außerdem muss das deutsche Veräußerungsbesteuerungsrecht im erforderlichen Umfang wiederbegründet werden. Die Rückkehr allein genügt nicht.

Das Finanzamt kann die Siebenjahresfrist auf Antrag bei fortbestehender Rückkehrabsicht insgesamt um höchstens fünf Jahre verlängern. Die gesetzliche Todesfallregel gilt nur für die bezeichneten Übertragungen auf natürliche Personen und setzt voraus, dass der Rechtsnachfolger die Bedingungen erfüllt. Entsprechend gelten die Rückkehrregeln auch, wenn ein Tatbestand nach § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 auf nur vorübergehender Abwesenheit beruht, sowie bei einer unentgeltlichen Übertragung nach Nr. 2 auf eine natürliche Person, wenn der Erwerber innerhalb von sieben Jahren unbeschränkt steuerpflichtig wird. Für beide entsprechenden Fälle sind Siebenjahresfrist, mögliche Verlängerung und sämtliche kumulativen Voraussetzungen gesondert zu prüfen.

Die festgesetzte Steuer kann auf Antrag in sieben gleichen, unverzinslichen Jahresraten entrichtet werden; regelmäßig ist Sicherheit zu leisten. Eine individuelle Bewilligung folgt daraus nicht automatisch.

Rückkehr-, Zahlungs- und Meldekalender

Baustein Voraussetzung oder Ereignis Frist Rechtsfolge Ausnahme Nachweis Verantwortliche Stelle
Rückkehr nach Nr. 1 Erneute unbeschränkte Steuerpflicht und sämtliche unschädlichen Voraussetzungen Innerhalb von sieben Jahren Steueranspruch kann entfallen Verlängerung auf Antrag insgesamt höchstens fünf Jahre Rückkehr- und Beteiligungsakte Zuständiges Finanzamt
Vorübergehender Nr.-3-Fall Ausschluss des Besteuerungsrechts beruht auf nur vorübergehender Abwesenheit; Sätze 1 bis 3 gelten entsprechend Sieben Jahre; mögliche Verlängerung Steueranspruch kann bei vollständigen Voraussetzungen entfallen Keine Gleichsetzung mit Nr. 1 ohne Tatbestandsakte DBA-, Rückkehr- und Beteiligungsakte Zuständiges Finanzamt
Natürlicher Erwerber nach Nr. 2 Unentgeltliche Übertragung auf natürliche Person; Erwerber wird unbeschränkt steuerpflichtig Innerhalb von sieben Jahren; mögliche Verlängerung Sätze 1 bis 3 gelten entsprechend Empfängerstatus und sämtliche Voraussetzungen belegen Übertragungs-, Erwerber- und Beteiligungsakte Zuständiges Finanzamt
Ausschüttungsgrenze Ausschüttungen und Einlagenrückgewähr zusammen Nicht mehr als ein Viertel des maßgeblichen Werts Voraussetzung bleibt möglich Überschreitung ist schädlich Beschlüsse und Zahlungen Steuerpflichtiger
Todesfall Übertragung von Todes wegen auf natürliche Person Innerhalb laufender Frist Sonderfortführung möglich Voraussetzungen müssen beim Nachfolger erfüllt werden Erb- und Nachfolgerakte Rechtsnachfolger
Ratenantrag Antrag und regelmäßig Sicherheitsleistung Verfahrensabhängig Sieben gleiche unverzinsliche Raten Keine pauschale Bewilligung Antrag, Sicherheiten Finanzamt
Erste Rate Bekanntgabe des Bescheids Innerhalb eines Monats Fälligkeit Fristberechnung prüfen Bescheidzustellung Steuerpflichtiger
Weitere Raten Folgejahre Jeweils 31. Juli Fälligkeit Keine freie Terminwahl Zahlungsbelege Steuerpflichtiger
Vorzeitige Fälligkeit Verspätete Rate, Mitteilungsverstoß, Insolvenzanmeldung, schädliche Verfügung oder Zahlung beziehungsweise Scheitern des Rückkehrpfads Innerhalb eines Monats Offene Steuer wird vollständig oder anteilig fällig Todesfallsonderregel und anteilige Wirkung gesondert prüfen Ereignis-, Zahlungs- und Nachfolgerakte Steuerpflichtiger oder Rechtsnachfolger
Ereignismeldung Schädliches oder sonst gesetzlich meldepflichtiges Ereignis Innerhalb eines Monats nach Eintritt Mitwirkung und gegebenenfalls vorzeitige Fälligkeit Elektronikhärtefall auf Antrag Elektronische Meldung Steuerpflichtiger oder Gesamtrechtsnachfolger
Jahresmeldung Aktuelle Anschrift und fortbestehende Zurechnung Jährlich bis 31. Juli Fortlaufende Mitwirkung Elektronikhärtefall auf Antrag Übermittlungsnachweis Steuerpflichtiger oder Gesamtrechtsnachfolger

Offene Steuer wird insbesondere bei einer verspäteten Rate, einer Verletzung der Mitteilungspflichten, einer Insolvenzanmeldung, einer Veräußerung oder Übertragung sowie bei schädlichen Ausschüttungen oder Einlagenrückgewähr von zusammen mehr als einem Viertel des maßgeblichen Werts vorzeitig fällig. Im Rückkehrpfad gilt dies auch, wenn dessen Voraussetzungen nicht mehr erreichbar sind oder die Rückkehrabsicht entfällt. Ob die Fälligkeit vollständig oder nur anteilig eintritt und ob die Todesfallregel eingreift, ist gesondert zu bestimmen.

Meldepflichtige Ereignisse sind grundsätzlich elektronisch innerhalb eines Monats nach Eintritt an das zuständige Finanzamt zu übermitteln. Aktuelle Anschrift und fortbestehende Zurechnung der Anteile sind zusätzlich jährlich bis zum 31. Juli elektronisch zu bestätigen. Von der elektronischen Übermittlung kann nur im gesetzlichen Härtefall auf Antrag abgesehen werden.

Für Tatbestände vor dem 1. Januar 2022 dürfen diese Regeln nicht ungeprüft übernommen werden. Zuerst ist das über § 21 AStG fortgeltende alte Regime einschließlich späterer Abweichungen zu bestimmen.

Dividenden und deutscher Steuerabzug

Vor jeder Steuerberechnung wird die Zahlung qualifiziert. Dividenden und sonstige Bezüge aus Aktien sind grundsätzlich Kapitalerträge. Beträge aus dem steuerlichen Einlagekonto gehören im gesetzlichen Umfang nicht zu diesen Einnahmen. Dividende, Einlagenrückgewähr, Kapitalherabsetzung und tatsächlicher Aktienverkauf sind deshalb getrennte Vorgänge. Bei §-17-Beteiligungen können Spezialregeln eingreifen.

Zahlung und Kapitalmaßnahme

Vorgang Mögliche deutsche Qualifikation Erforderliche Unterlagen Deutscher Abzug DBA-Artikel Spanischer Folgepfad Entscheidungsgrenze
Gewinnausschüttung Dividende Gewinnverwendungsbeschluss, Abrechnung, Zurechnung Grundsätzlich Kapitalertragsteuerabzug Art. 10 Dividendenqualifikation und Sparbasis Ohne Nutzungsberechtigung keine Entlastung
Einlagenrückgewähr Im gesetzlichen Umfang keine Dividende Einlagekonto- und Zahlungsnachweis Fallbezogen Erst nach Qualifikation Erwerbswert- oder Ertragspfad Keine Etikettenprüfung allein
Kapitalherabsetzung Je nach Ausgestaltung Veräußerungs- oder Bezugstatbestand Beschluss, Register- und Zahlungsunterlagen Fallbezogen Art. 10 oder 13 erst nach Qualifikation Art. 33 LIRPF und Sonderregeln aktuelle Spanienprüfung
Aktienverkauf § 17 oder § 20 EStG Kaufvertrag, Depot, Kosten, Quote Kein Dividendenstandard Art. 13, soweit anwendbar Spanischer Veräußerungsgewinn Verkaufspfad öffnen
Liquidation der Gesellschaft Aufteilung in Rückzahlung, Liquidationsauskehrung und möglichen Veräußerungstatbestand Auflösungsbeschluss, Liquidationsschlussbilanz, Einlagekonto, Zahlungen und Anschaffungskosten Nicht pauschal wie laufende Dividende Art. 10 oder 13 erst nach Qualifikation und nur soweit anwendbar Spanische Qualifikation von Ertrag und Vermögensgewinn Keine Einheitsqualifikation
KGaA-Sondervergütung Gewerbliche Einkünfte nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG Tätigkeits-, Darlehens- oder Nutzungsvertrag Nicht als gewöhnliche Dividende behandeln Gesonderter DBA-Pfad Tätigkeits- und Unternehmensprüfung Ohne Vollakte offen

Nach Wegfall eines deutschen Wohnsitzes und gewöhnlichen Aufenthalts ist eine natürliche Person grundsätzlich beschränkt steuerpflichtig, soweit § 49 EStG inländische Einkünfte erfasst. Dazu können Dividenden eines Schuldners mit deutschem Sitz oder deutscher Geschäftsleitung gehören. Die Reihenfolge lautet: zuerst § 49 EStG, dann deutscher Abzug, anschließend DBA und Entlastungsverfahren.

Auf erfasste inländische Dividenden wird deutsche Kapitalertragsteuer durch Abzug erhoben. Der gesetzliche Abzug beträgt grundsätzlich 25 Prozent des Kapitalertrags. Dieser Erhebungsschritt ist weder automatisch die endgültige Belastung noch der DBA-Höchstbetrag. Abzugsausnahmen und die materielle Endbelastung bleiben eigene Pfade. Ein Solidaritätszuschlag wird hier nicht beziffert.

Gewinnanteile eines persönlich haftenden KGaA-Gesellschafters, soweit sie nicht auf Anteile am Grundkapital entfallen, sowie Vergütungen für Tätigkeit, Darlehen oder die Überlassung von Wirtschaftsgütern sind nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG gewerbliche Einkünfte. Sie sind keine gewöhnliche Dividende. Grundkapitaldividenden, andere Organvergütungen und Sondervergütungen werden getrennt eingeordnet.

Organvergütungen und KGaA-Sonderstellung

Aktienertrag, Organvergütung und Tätigkeitsvergütung dürfen nicht zusammengefasst werden. Maßgeblich sind Organart, Vertragsgrund, tatsächlich ausgeübte Tätigkeit, Tätigkeitstage, Kostenträger und eine mögliche Betriebsstätte.

Rolle oder Zahlung Deutscher Ausgangspunkt DBA-Pfad, soweit anwendbar Besonderheit
Aufsichtsratsmitglied einer AG oder SE Vergütung für die Aufsichtsratsfunktion gesondert erfassen Art. 15 erlaubt grundsätzlich auch dem Staat der Gesellschaft die Besteuerung Nur Zahlungen in dieser Eigenschaft; andere Tätigkeiten getrennt
Mitglied des Verwaltungsrats einer monistischen SE Vergütung nach Funktion und Vertragsgrund aufteilen Art. 15 kann für Verwaltungsratsvergütungen greifen Operative oder arbeitsvertragliche Bestandteile können Art. 14 folgen
Vorstand einer AG oder SE beziehungsweise geschäftsführender Direktor Arbeitslohn, Organvergütung und sonstige Leistungen nach deutschem Recht qualifizieren Nicht automatisch Art. 15; regelmäßig Art. 14 für unselbständige Arbeit, soweit kein anderer Artikel vorgeht Tätigkeitstage, Arbeitgeber und Kostentragung entscheiden mit
Persönlich haftender Gesellschafter einer KGaA Gewinnanteile außerhalb des Grundkapitals sowie Tätigkeits-, Darlehens- und Nutzungsvergütungen nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG Eigenständige Unternehmens-, Tätigkeits- und Betriebsstättenprüfung Nicht als gewöhnliche Dividende oder pauschale Organvergütung behandeln
Bloßer Aktionär oder Kommanditaktionär Dividende oder Veräußerungsgewinn Art. 10 oder 13, soweit anwendbar Die Beteiligung allein erzeugt keine Organvergütung

Bei einer wirksamen Art.-93-Option sind Art. 14 und 15 wegen Ziffer II des DBA-Protokolls ebenfalls ausgeschlossen. Dann ist die Besteuerung der Vergütung ausschließlich aus den einschlägigen innerstaatlichen Regeln und dem Sonderregime abzuleiten; eine übliche 183-Tage- oder Organvergütungsanalyse nach dem DBA wäre falsch.

DBA-Entlastung und spanische Anrechnung

Vorrangige Protokollprüfung: Die folgenden Art.-10-, Art.-13-, Art.-15- und Art.-22-Schritte gelten nur, soweit die Person nicht wirksam nach Art. 93 LIRPF besteuert wird. Bei wirksamer Option schließt Ziffer II des DBA-Protokolls Art. 4 sowie Art. 6 bis 21 aus. Dann ist der deutsche Quellensteuer- und Entlastungspfad ohne die sonst übliche Art.-10-Begrenzung neu zu bestimmen; die spanische Behandlung folgt dem Sonderregime und dessen innerstaatlichen Anrechnungsregeln.

Soweit das DBA anwendbar ist, darf eine Dividende einer in Deutschland ansässigen Gesellschaft an einen in Spanien ansässigen, nutzungsberechtigten natürlichen Aktionär nach Art. 10 in beiden Staaten besteuert werden. Das DBA begrenzt die deutsche Steuer grundsätzlich auf 15 Prozent des Bruttobetrags. Ansässigkeit, Nutzungsberechtigung und Zahlungsqualifikation müssen belegt sein.

Der 5-Prozent-Satz betrifft ausschließlich einen nutzungsberechtigten Gesellschaftsempfänger, der weder Personengesellschaft noch REIT-Gesellschaft ist. Er muss unmittelbar mindestens 10 Prozent halten und die maßgebliche Eigentums- oder Inhaberschaftsvoraussetzung während 365 Tagen einschließlich des Zahlungstags erfüllen. Umstrukturierungsbedingte Änderungen bleiben nach der MLI-Regel ausgenommen. Die 365-Tage-Ergänzung ist seit 2025 wirksam. Ohne Rechtsform-, Quoten-, Nutzungsberechtigungs- und Haltezeitnachweis bleibt es beim offene Einzelfallprüfung.

Gehört die Beteiligung tatsächlich zu einer Betriebsstätte im Quellenstaat, wird statt dieser Dividendenhöchstbeträge der Betriebsstättenpfad geprüft. Ohne Betriebsstätten- und Zuordnungsakte bleibt das Ergebnis offen.

Dividenden- und Entlastungskette

Prüfschritt Rechtsfrage Natürliche Person Qualifizierte Gesellschaft Nachweis Verfahren weiterer Prüfbedarf
Ansässigkeit Ist der Empfänger nach Art. 4 in Spanien ansässig? Erforderlich Erforderlich Amtliche Ansässigkeitsbescheinigung und Sachverhalt DBA-Prüfung Ohne Nachweis kein Ergebnis
Nutzungsberechtigung Darf der Empfänger die Dividende wirtschaftlich behalten? Erforderlich Erforderlich Zahlungs- und Beteiligungskette Art. 10 und § 50d Durchleitung gesondert prüfen
DBA-Höchstbetrag Welcher Satz gilt? Grundsätzlich 15 Prozent 5 Prozent nur für eine Gesellschaft, die weder Personengesellschaft noch REIT-Gesellschaft ist, bei unmittelbaren 10 Prozent und 365-Tage-Test; sonst 15 Prozent Quote, Rechtsform, Haltedauer Materielle DBA-Prüfung Keine Übertragung auf natürliche Personen, Personengesellschaften oder REIT-Gesellschaften
Deutscher Einbehalt Was wurde tatsächlich abgezogen? Grundsätzlich gesetzlicher Vollabzug möglich Ebenso, sofern keine wirksame Freistellung Steuerbescheinigung Abzugsverfahren Abzug ist nicht Endbelastung
Freistellung Kann vor Auszahlung reduziert werden? Nicht pauschal nach § 50c Abs. 2 Satz 5 Nur im gesetzlichen qualifizierten Gesellschaftsfall BZSt-Bescheinigung Freistellungsantrag Keine Zusage ohne Bescheinigung
Erstattung Kann ein Überhang zurückgeholt werden? Antrag unter gesetzlichen Voraussetzungen Antrag, soweit erforderlich Bescheinigungen, Zahlung, Ansässigkeit BZSt-Erstattung Vierjahres- und Mindestfristen prüfen
Spanische Anrechnung Welcher deutsche Betrag ist anrechenbar? Nur nachgewiesen, abkommenskonform und im Höchstbetrag Empfängerspezifisch Deutsche Zahlung und spanische Veranlagungsunterlagen Art. 22 DBA und Art. 80 LIRPF Keine automatische Vollanrechnung

Der DBA-Höchstbetrag reduziert den deutschen Steuerabzug nicht automatisch. Einbehalt, Abführung und Anmeldung gelten zunächst. Ein beschränkt steuerpflichtiger Gläubiger kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen eine Erstattung beantragen. Die Vierjahresfrist beginnt mit Ablauf des Jahres, in dem die Bezüge zugeflossen sind, und endet nicht vor den gesetzlichen Mindestfristen nach Steuerentrichtung und DBA. Bescheinigung und Zahlungsnachweis sind erforderlich.

Freistellungs- und Erstattungsanträge sind grundsätzlich elektronisch zu übermitteln. Die Ansässigkeit muss durch die zuständige ausländische Steuerbehörde bestätigt werden. Ein Verzicht auf elektronische Übermittlung setzt einen beantragten Härtefall voraus. Wirtschaftliche Zurechnung und Zahlungsweg bleiben in jedem Fall nachzuweisen.

Eine Freistellungsbescheinigung vor Auszahlung nach § 50c Abs. 2 Satz 5 EStG ist nur für den dort beschriebenen qualifizierten Gesellschaftsgläubiger vorgesehen. Einem natürlichen Aktionär darf sie nicht pauschal zugesagt werden; für ihn ist regelmäßig der Erstattungs- und Einzelfallpfad zu prüfen.

§ 50d EStG bildet eine eigenständige Prüfung von Missbrauchsabwehr, Zurechnung, Entlastungsberechtigung und Sondervergütungen. Bei KGaA-Sondervergütungen kommen Tätigkeits-, Unternehmens-, Betriebsstätten- und Zahlungsprüfung hinzu. Ohne Beteiligungs-, Substanz-, Zurechnungs- und Zahlungskette gibt es kein Entlastungsergebnis.

Für eine in Spanien ansässige natürliche Person sind Dividenden grundsätzlich Erträge aus der Beteiligung an Eigenmitteln und Teil der spanischen Sparbasis. Spanien rechnet nachgewiesene, tatsächlich gezahlte und abkommenskonforme deutsche Steuer nur bis zum niedrigeren gesetzlichen beziehungsweise abkommensrechtlichen Höchstbetrag an. Maßgeblich sind außerdem der auf die Einkünfte entfallende spanische Steueranteil und die spanische Veranlagung. Ein überhöhter deutscher Einbehalt wird nicht allein aufgrund einer Steuerbescheinigung vollständig anrechenbar. Eine spanische Tarifzahl wird hier nicht genannt.

Art. 22 DBA ist ausschließlich der Methodenartikel zur Vermeidung der Doppelbesteuerung. Er ist weder Erstattungsantrag noch vorgelagerte Einkunftsqualifikation.

Verkauf der Aktien

Ein wirklicher Aktienverkauf nach dem Wegzug ist ein neues Steuerereignis. Zuerst wird deutsches innerstaatliches Recht geprüft: § 17 EStG bei einer unmittelbaren oder mittelbaren Beteiligung von mindestens 1 Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre, andernfalls gegebenenfalls § 20 EStG. Bei beschränkter Steuerpflicht kommen die besonderen Inlandsanknüpfungen des § 49 EStG hinzu. Beteiligungsverlauf, Gesellschaftsbezug, Verkaufstag, Vertrag, Erlös und Kosten müssen feststehen. § 6 AStG bleibt ein eigenständiger Tatbestand.

Nur wenn das DBA wegen Ziffer II des Protokolls anwendbar bleibt, wird anschließend Art. 13 in folgender Reihenfolge geprüft:

  1. Immobiliengesellschaft: Beruhte der Anteilswert zu irgendeinem Zeitpunkt während der 365 Tage vor der Veräußerung zu mehr als 50 Prozent auf unbeweglichem Vermögen im anderen Staat?
  2. Immobiliennutzungsrecht: Vermittelt das veräußerte Recht eine besondere Nutzung unbeweglichen Vermögens?
  3. Betriebsstätte: Gehören die Aktien tatsächlich zum Betriebsvermögen einer Betriebsstätte?
  4. Wegzugsregel: War die natürliche Person mindestens fünf Jahre im früheren Staat ansässig und verkauft sie innerhalb von fünf Jahren nach dem Wegzug?
  5. Restregel: Erst wenn keine Sonderregel greift, dürfen Gewinne aus sonstigen Aktien grundsätzlich nur im Ansässigkeitsstaat des Veräußerers besteuert werden.

Die 365-Tage-Regel für Immobiliengesellschaften ist seit 2025 wirksam. Die Fünfjahres-Wegzugsregel wahrt das innerstaatliche Besteuerungsrecht des früheren Staates nur für den dort entstandenen Vermögenszuwachs und nur, wenn auch ein innerstaatlicher Steuertatbestand besteht.

Aktienverkauf in drei Rechtsstufen

Stufe Prüffrage Tatbestandsmerkmale Zeitraum oder Schwelle Benötigte Werte Mögliche Folge weiterer Prüfbedarf
Deutsches Recht § 17, § 20 oder § 49 EStG? Quote, Mittelbarkeit, Inlandsbezug, tatsächlicher Verkauf 1 Prozent innerhalb fünf Jahren bei § 17 Verkaufspreis, Anschaffungs- und Verkaufskosten Deutscher innerstaatlicher Anspruch Deutsche Einzelfallprüfung
Art. 13 DBA Welcher Verteilungsartikel greift? Immobiliengesellschaft, Nutzungsrecht, Betriebsstätte, Wegzugsregel oder sonstige Aktie Mehr als 50 Prozent während 365 Tagen; gegebenenfalls Fünfjahres-Wegzugsregel Gesellschafts- und Immobilienwerte Begrenzung oder Erhalt eines Besteuerungsrechts DBA-Einzelfallprüfung
Spanien Wie wird der Gewinn oder Verlust bemessen? Spanischer Erwerbswert, Kapitalmaßnahmen, Verlustregeln Betroffenes Steuerjahr Erwerbs- und Veräußerungswerte Spanische Sparbasis Country- und Bewertungs-weiterer Prüfbedarf
Abgleich Wie wirkt eine deutsche Wegzugssteuer? Bescheid, tatsächliche Entrichtung, spanische Anerkennung Ereignisabhängig Steuer- und Zahlungsakte Keine automatische Wertübernahme Bilaterale Fachprüfung

Eine Aktienveräußerung kann in Spanien einen Vermögensgewinn oder -verlust auslösen; Übertragungsgewinne und -verluste gehören grundsätzlich zur Sparbasis. Kapitalherabsetzungen und Einlagenrückgewähr folgen eigenen Regeln. Verlustsperren, homogene Wertpapiere und Kapitalmaßnahmen müssen gesondert untersucht werden.

Aus einer deutschen Wegzugsbesteuerung folgt kein pauschaler spanischer Step-up. Spanischer Erwerbswert, Kapitalmaßnahmen, Verlustregeln und eine tatsächlich entrichtete deutsche Steuer sind getrennte Bewertungs- und Länderpfade. Ohne vollständige spanische Erwerbs- und Ereignisakte ist keine Bemessung möglich.

Eine Liquidation ist nicht automatisch ein gewöhnlicher Aktienverkauf und nicht automatisch eine Dividende. Für jede Auszahlung sind Einlagenrückgewähr, laufender Gewinn, Liquidationsüberschuss, Anschaffungskosten und Untergang oder Übertragung der Beteiligung getrennt zu bestimmen. Erst danach lassen sich deutsches innerstaatliches Recht, ein gegebenenfalls anwendbarer DBA-Artikel und die spanische Qualifikation zuordnen.

Spanien: Einkommensteuer und Sonderregime

Für eine in Spanien ansässige natürliche Person werden deutsche Dividenden und Aktienverkäufe nach spanischem Recht eigenständig eingeordnet. Eine deutsche Qualifikation oder Bemessungsgrundlage wird nicht automatisch übernommen.

Spanische Einkommenspfade

Vorgang Spanische Grundqualifikation Bemessungsdaten Doppelbesteuerung Sonderregel Pflichtnachweis weiterer Prüfbedarf
Deutsche Dividende Ertrag aus Eigenmitteln, grundsätzlich Sparbasis Bruttodividende und spanische Einordnung Anrechnung nur im niedrigeren Höchstbetrag Art. 93 separat prüfen Zahlung, deutscher Steuerbeleg, Ansässigkeit Keine Tarifberechnung
Aktienverkauf Vermögensgewinn oder -verlust, grundsätzlich Sparbasis Spanischer Erwerbswert, Erlös, Kosten DBA und deutsche Steuer getrennt Verlust- und Homogenitätsregeln Vollständige Erwerbs- und Depotakte Kein pauschaler Step-up
Kapitalherabsetzung Besondere Wert- oder Ertragsfolge Maßnahme, Erwerbswert, erhaltene Leistung Erst nach Qualifikation Art. 33 LIRPF Gesellschaftsbeschlüsse aktuelle Spanienprüfung
Liquidation Im normalen IRPF-Regime Vermögensgewinn oder -verlust nach Art. 37 Abs. 1 Buchst. e LIRPF: Liquidationsquote beziehungsweise Marktwert erhaltener Güter abzüglich Erwerbswert der Beteiligung Liquidationszahlungen, Erwerbswert, Kosten und Einlagenhistorie DBA nur, soweit anwendbar spanische Liquidations- und Veräußerungsregeln Auflösungs- und Zahlungsakte Keine Pauschalqualifikation
Einlagen- oder Emissionsagiorückgewähr Mögliche Minderung des Erwerbswerts oder Ertrag Herkunft und Höhe der Zahlung Fallbezogen Gesetzliche Sonderregeln Kapital- und Zahlungshistorie Keine Dividendenpauschale
Art. 93 LIRPF Fristgebundene Option Zuzugsgrund und Voransässigkeit Eigenständiges Sonderregime; DBA-Art. 4 und 6 bis 21 nach Protokoll ausgeschlossen; bei Vermögensteuer obligación real Aktionär allein genügt nicht; Administrator eigener Tatbestand Option, Frist, Tätigkeit, Organstellung und Vermögensteuerstatus Aktuelle Spanienprüfung

Das Impatriatenregime nach Art. 93 LIRPF ist ein frist- und tatbestandsgebundenes Wahlrecht, kein Automatismus des Zuzugs. Es verlangt insbesondere grundsätzlich, dass in den fünf vorherigen Steuerperioden keine spanische Ansässigkeit bestand, und einen gesetzlich anerkannten Zuzugsgrund. Die bloße Aktionärseigenschaft genügt nicht. Eine Administratorrolle besitzt einen eigenen Zugangstatbestand; bei einer vermögensverwaltenden Gesellschaft darf die Beteiligung des Administrators keine Verbundenheit nach Art. 18 LIS begründen. Die Beteiligungsgrenze von 25 Prozent darf daher weder erreicht noch überschritten werden. Option, Zugangstatbestand und Frist sind durch das amtliche Verfahren nachzuweisen.

Die Option gilt im Steuerjahr des Wechsels der steuerlichen Ansässigkeit nach Spanien und in den fünf folgenden Steuerperioden. Wer wirksam optiert, bleibt IRPF-Steuerpflichtiger, wird aber nach den besonderen Regeln besteuert und unterliegt bei der spanischen Vermögensteuer der obligación real. Zusätzlich gilt Ziffer II des DBA-Protokolls: Art. 4 und Art. 6 bis 21 des DBA sind für diese Steuerpflichtigen nicht anwendbar. Normale DBA-Ergebnisse zu Dividenden, Verkauf, Arbeit oder Organvergütung müssen deshalb verworfen und aus dem Sonderregime neu aufgebaut werden.

Ohne Optionsnachweis, Fristprüfung, Tätigkeitsakte, gegebenenfalls Administratorakte und aktuelles spanisches spanisches Jahres- und Stichtagspaket bleibt das Sonderregime offen. Dieser Artikel nennt weder einen aktuellen spanischen Einkommensteuertarif noch berechnet er spanische Steuer.

Vermögensteuer und Solidaritätssteuer

Aktienvermögen kann in Spanien zwei eigenständige Jahresprüfungen auslösen. Die spanische Vermögensteuer ist jährlich und stichtagsbezogen zu prüfen. Bei persönlicher Steuerpflicht erfasst sie grundsätzlich das weltweite Nettovermögen; bei wirksamer Art.-93-Option gilt dagegen die obligación real und der gesetzlich spanisch angeknüpfte Vermögensumfang ist gesondert festzustellen. Aktienbewertung und eine mögliche Beteiligungsbefreiung hängen von sämtlichen gesetzlichen Voraussetzungen ab.

Die staatliche Solidaritätssteuer ist eine eigenständige, ergänzende Vermögensteuer und entsteht am 31. Dezember. Sie knüpft an den Vermögensteuer-Subjektstatus an; bei einer Art.-93-Option ist deshalb ein eigener weiterer Prüfbedarf erforderlich. Ihr Tatbestand betrifft ein Nettovermögen von mehr als 3.000.000 Euro. Diese Schwelle bestimmt für sich allein weder Bemessungsgrundlage noch Zahllast. Befreiungen und die Anrechnung von Vermögensteuer bleiben gesondert zu prüfen.

Vermögenssteuern getrennt prüfen

Steuer Persönliche Anknüpfung Stichtag Vermögensumfang Aktienbewertung Mögliche Befreiung Regionale Ebene weiterer Prüfbedarf
Spanische Vermögensteuer Bei wirksamer Art.-93-Option obligación real; sonst Ansässigkeit oder andere gesetzliche Anknüpfung Jeweiliges Steuerjahr und gesetzlicher Stichtag Bei persönlicher Pflicht grundsätzlich weltweites Nettovermögen; bei obligación real nur der gesetzlich spanisch angeknüpfte Umfang Börsen- oder gesetzliche Nichtbörsenbewertung Beteiligungsbefreiung nur bei vollständigen Voraussetzungen Illes Balears können relevant sein Aktuelles spanisches Jahres- und Stichtagspaket zwingend
Staatliche Solidaritätssteuer Subjektstatus entsprechend gesetzlicher Anknüpfung 31. Dezember Nettovermögen von mehr als 3.000.000 Euro als Tatbestandsschwelle Gesetzliche Vermögensteuerregeln Befreiungen und gezahlte Vermögensteuer gesondert Staatliche Steuer Keine Berechnung ohne Jahresakte

Für jede Steuer und jedes Jahr sind Ansässigkeit, Stichtag, Eigentum, Schulden, Bewertung, Befreiung und Zuständigkeit getrennt festzustellen. Balearische Freibeträge, Tarife, Bewertungsdetails oder Beteiligungsbefreiungen werden ohne stichtagsaktuelles spanisches Jahres- und Stichtagspaket weder genannt noch zugesagt.

Praxisfahrplan und Pflichtakte

Die belastbare Reihenfolge lautet: Rolle und Zurechnung; deutsche und spanische innerstaatliche Ansässigkeit; Prüfung einer Art.-93-Option und des DBA-Protokolls, danach gegebenenfalls Art. 4 DBA; Einkunftsqualifikation und innerstaatliches Recht; Quellenstaat und Steuerabzug; DBA-Verteilungsartikel; Art. 22 als Methode; nationales Entlastungs- oder Anrechnungsverfahren. Kein Schritt ersetzt den vorherigen.

Praxisfahrplan und Aktenstatus

Schritt Benötigte Dokumente Verantwortlicher Stichtag Prüfergebnis Offener Punkt Prüfstatus
1 Rollenaufnahme Satzung, Organbestellung, Organvertrag, KGaA-Stellung, Vollmachten Person und Gesellschaft Vor Umzug Rolle je Gesellschaft Doppelrollen Ohne Vollständigkeit rot
2 Zurechnung Register, Depot, Kauf-, Schenkungs-, Erb-, Treuhand- und Nießbrauchunterlagen Anteilseigner Vor jedem Steuerereignis Rechtliches und wirtschaftliches Eigentum Nutzungsberechtigung Ohne Abgleich rot
3 Ansässigkeit Wohnungsunterlagen, Reisetage, Familie, Tätigkeiten, Steuerbescheinigungen Person Je Kalender- oder Steuerjahr Deutschland, Spanien und DBA getrennt Tie-breaker-Stufe Ohne Kalender rot
4 Beteiligungshistorie Direkte und mittelbare Quoten, Kapitalmaßnahmen, Rechtsvorgänger Anteilseigner und Gesellschaft Fünf- und Zwölfjahresfenster §-17- und §-6-Anwendungsbereich Fehlende Erwerbskette Ohne Historie rot
5 Bewertung Gemeiner Wert, Anschaffungskosten, Bewertungsbericht Unabhängiger Bewerter und Steuerfachleute §-6-Ereignistag Bewertungsbasis Minderheiten- und Sonderrechte Artikel gibt keine abschließende Beurteilung
6 §-6-Verfahren Steuererklärung, Bescheid, Antrag, Sicherheit, Zahlungen Steuerpflichtiger und deutscher Berater Bescheid- und Ratenfristen Steuer und Entrichtung Rückkehrabsicht Ohne Bescheid rot
7 Zahlungen Ausschüttungsbeschluss, Einlagekonto, Bankbelege, Steuerbescheinigung Gesellschaft, Bank, Empfänger Zahlungstag Zahlungsart und Abzug Nutzungsberechtigung Ohne Kette rot
8 DBA-Entlastung Ansässigkeitsbescheinigung, BZSt-Antrag, Zurechnung, Quote Empfänger Verfahrensfristen Höchstbetrag und Erstattung § 50d oder PPT Keine automatische Entlastung
9 Verkauf Kaufvertrag, Depotabrechnung, Kosten, Immobilienquote Verkäufer und Gesellschaft Verkaufstag und 365-Tage-Zeitraum Deutscher, DBA- und spanischer Pfad Spanischer Erwerbswert Ohne Werte rot
10 Vermögen Jahresinventar, Schulden, Bewertungen, spanisches Jahres- und Stichtagspaket Person und Spanienberater Jeweiliger Stichtag Steuerart getrennt Befreiungen und Region Keine Artikelberechnung
11 Streitfall Bescheide, Zustellungen, Einsprüche, Korrespondenz Betroffene Person Rechtsbehelfs- und Art.-24-Fristen Innerstaatlicher und Verständigungspfad Erste Mitteilung Sofortiger professioneller weiterer Prüfbedarf

Die Organisation der Akten ist eine fachliche Arbeitsempfehlung. Gesetzliche Mitwirkungspflichten bestehen davon unabhängig. Tragende Tatsachen und Beweismittel sind vollständig offenzulegen; bei Auslandssachverhalten gilt in Deutschland eine erhöhte Mitwirkung. Auch im spanischen Verfahren müssen geltend gemachte Tatsachen belegt werden.

Fehlen Rolle, Satzung, Organvertrag, Register oder Depot, wirtschaftliche Zurechnung, Beteiligungshistorie, Wohn- und Aufenthaltsdaten, Umzugstag, gemeiner Wert, Anschaffungskosten, Steuerbescheid oder Zahlungsnachweis, Zahlungsqualifikation, Nutzungsberechtigung, Ansässigkeitsbescheinigung, Kapitalmaßnahmenakte, spanischer Erwerbswert, Vermögensstichtag oder aktuelles spanisches Jahres- und Stichtagspaket, endet der jeweils betroffene Pfad.

PPT beziehungsweise MLI, § 50d EStG, innerstaatliche Rechtsbehelfe und das Verständigungsverfahren sind eigenständige Prüfungen. Ein Fall nach Art. 24 DBA ist grundsätzlich innerhalb von drei Jahren nach der ersten Mitteilung der vermeintlich abkommenswidrigen Maßnahme vorzulegen. Innerstaatliche Rechtsmittel laufen davon getrennt. Fristbeginn, zuständige Behörde und Parallelverfahren gehören unverzüglich in professionelle Hände.

Beispiele und typische Fehler

Die folgenden Fälle zeigen nur die Prüfungslogik. Sie enthalten keine individuelle Bewertung, Tarifberechnung oder abschließende Beurteilung.

15 vollständige Beispiele

Beispiel Annahmen Prüfung Ergebnis Verbleibender weiterer Prüfbedarf
1 — Bloßer Kleinaktionär Natürliche Person hält durchgehend 0,4 Prozent einer deutschen AG, hat keine mittelbare Beteiligung und keine Organrolle Rolle, Ansässigkeit und Fünfjahresquote prüfen § 6 AStG ist mangels nachgewiesenem §-17-Anteil nicht allein durch diese Aktien eröffnet; Dividenden- und Vermögenspfade bleiben Vollständige Quoten- und Zurechnungsbestätigung
2 — Frühere Mindestquote Person hielt vor drei Jahren 1,2 Prozent und am Umzugstag 0,6 Prozent; Sieben-aus-zwölf-Test erfüllt §-17-Fünfjahresverlauf und §-6-Tatbestand prüfen Der niedrigere aktuelle Anteil schließt § 6 AStG nicht aus Gemeiner Wert, Anschaffungskosten und Umzugstag
3 — Deutsche Wohnung bleibt Person zieht nach Palma, behält aber eine jederzeit nutzbare deutsche Wohnung § 8 AO, spanische Kriterien und gegebenenfalls Art. 4 DBA prüfen Die deutsche unbeschränkte Steuerpflicht endet nicht allein mit der Ummeldung Tatsächliche Nutzung, Lebensinteressen und Reisetage
4 — Mehr als 183 Tage in Spanien Person verbringt im Kalenderjahr 200 belegte Tage in Spanien, hat aber weiterhin eine Wohnstätte in Deutschland Spanisches Recht, deutsches Recht und vollständiger Tie-breaker Spanische Ansässigkeit kann innerstaatlich vorliegen; die DBA-Ansässigkeit folgt nicht allein aus der Tageszahl Wohnstätten- und Lebensinteressenakte
5 — Natürliche Person erhält Dividende In Spanien DBA-ansässiger und nutzungsberechtigter Aktionär erhält deutsche Dividende; 25 Prozent werden einbehalten § 49, Art. 10, § 50c und spanische Anrechnung nacheinander DBA-Höchstbetrag grundsätzlich 15 Prozent; Differenz erfordert deutsches Verfahren, spanische Anrechnung bleibt begrenzt BZSt-Antrag, Ansässigkeits- und Steuerbelege
6 — Natürliche Person hält 10 Prozent Natürlicher Aktionär hält unmittelbar 10 Prozent seit mehr als 365 Tagen Empfängertyp vor Quote prüfen Die 5-Prozent-Regel gilt trotzdem nicht, weil der Empfänger eine natürliche Person ist 15-Prozent- und Entlastungspfad
7 — Gesellschaftsempfänger als Kontrast Spanische Kapitalgesellschaft, die weder Personengesellschaft noch REIT-Gesellschaft ist, hält unmittelbar mindestens 10 Prozent während des maßgeblichen 365-Tage-Zeitraums Rechtsform, Steuerpflicht, Nutzungsberechtigung und Haltedauer prüfen Der 5-Prozent-Fall kann eröffnet sein, ist aber kein Ergebnis ohne Nachweise §-50c-, §-50d- und PPT-Prüfung
8 — Rückkehr nach sechs Jahren Person kehrt nach sechs Jahren zurück; keine Veräußerung, Übertragung, Einlage oder schädliche Zahlung; deutsches Besteuerungsrecht wird wiederbegründet Sämtliche Voraussetzungen des § 6 Abs. 3 AStG prüfen Der Steueranspruch kann entfallen; die Rückkehr wirkt nicht allein automatisch Finanzamt, Nachweise und gegebenenfalls Ratenstatus
9 — Hohe Ausschüttung während Rückkehrfrist Während des Rückkehrpfads übersteigen Ausschüttungen und Einlagenrückgewähr zusammen ein Viertel des maßgeblichen Werts Zahlungs- und Wertvergleich sowie Ratenfolge prüfen Rückkehrbegünstigung kann insoweit scheitern und offene Steuer kann vorzeitig fällig werden Bewertung, Ereignismeldung binnen eines Monats
10 — Verkauf vier Jahre nach Wegzug Person war zuvor mindestens fünf Jahre in Deutschland ansässig und verkauft vier Jahre nach dem Wegzug Deutsches Recht, Art. 13 Abs. 7 und spanische Bemessung prüfen Deutschlands Fünfjahresrecht kann erhalten sein; daneben spanischer Pfad Verkaufs-, Ansässigkeits-, Wert- und Steuerakte
11 — Immobiliengesellschaft Aktienwert beruhte innerhalb der 365 Tage vor Verkauf zu mehr als 50 Prozent auf deutschem unbeweglichem Vermögen Art. 13-Sonderregel vor der Grundregel prüfen Deutschland kann als Immobilienbelegenheitsstaat ein DBA-Recht besitzen Unabhängige Immobilien- und Gesellschaftsbewertung
12 — Normale Aktie ohne Ausnahme In Spanien ansässige Person verkauft Aktien; keine Immobilien-, Nutzungsrechts-, Betriebsstätten- oder Fünfjahresausnahme Art. 13 Abs. 6 nach deutschem innerstaatlichem Recht prüfen DBA weist den Gewinn grundsätzlich Spanien zu Deutsche §-49- und spanische Bemessungsprüfung dokumentieren
13 — Persönlich haftender KGaA-Gesellschafter Person erhält Tätigkeitsvergütung und einen nicht auf Grundkapital entfallenden Gewinnanteil § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG und §-50d-/DBA-Pfad Keine gewöhnliche Dividende Tätigkeits-, Betriebsstätten- und Zahlungsakte
14 — Leitungsentscheidungen aus Mallorca Aktionär ist zugleich Organmitglied und trifft von Mallorca aus die maßgeblichen Unternehmensentscheidungen Person, Organvergütung und tatsächliche Geschäftsleitung getrennt prüfen Der private Umzug bleibt personenrechtlich; zusätzlich entsteht ein möglicher Unternehmenspfad Sitzungs-, Vollmachts-, Entscheidungs- und Country-Akte
15 — Vermögen über Solidaritätsschwelle Spanisch ansässige Person besitzt am Stichtag Nettovermögen von mehr als 3.000.000 Euro einschließlich Aktien Vermögensteuer und Solidaritätssteuer getrennt prüfen Die Schwelle eröffnet die Solidaritätssteuerprüfung, bestimmt aber keine Zahllast Aktuelles balearisches spanisches Jahres- und Stichtagspaket, Bewertung und Befreiungsprüfung

20 typische Fehlerbilder

Fehler Warum falsch Richtige Korrektur Mögliches Risiko
1. Aktionär und Organmitglied gleichsetzen Beteiligung begründet keine Organfunktion Rollen und Verträge getrennt aufnehmen Falscher Tätigkeits- und DBA-Artikel
2. Kommanditaktionär wie persönlich haftenden Gesellschafter behandeln KGaA kennt strukturell getrennte Rollen Satzung und Haftungsstellung prüfen Falsche Einkunftsart und Haftungsannahme
3. Unternehmenssitz wandert mit dem Aktionär Sitz und Geschäftsleitung sind gesellschaftsbezogene Tatsachen Privatperson und Unternehmen trennen Unbelegte Körperschaftsteuerfolge
4. Tatsächliche Leitung ignorieren Reale Oberleitung kann einen Unternehmenspfad auslösen Entscheidungsorte dokumentieren Doppelansässigkeit der Gesellschaft
5. Aktienregister als steuerliches Eigentum behandeln Registerwirkung und wirtschaftliche Zurechnung können abweichen Register, Eigentum und § 39 AO abgleichen Falscher Empfänger oder §-6-Anwendungsbereich
6. Mehr als 183 spanische Tage beendet automatisch die deutsche Steuerpflicht Beide Staaten prüfen innerstaatlich selbständig Deutschland, Spanien und DBA nacheinander prüfen Unentdeckte Doppelansässigkeit
7. Art. 4 DBA beim Lebensmittelpunkt beginnen Ständige Wohnstätte ist die erste Stufe Tie-breaker vollständig abarbeiten Falsche DBA-Ansässigkeit
8. Jede Aktie löst § 6 AStG aus §-17-Anteil und Sieben-aus-zwölf-Test sind erforderlich Quoten- und Steuerpflichtshistorie belegen Unbegründete Wegzugssteuerannahme
9. Nur die Quote am Umzugstag betrachten Die Mindestquote kann im Fünfjahreszeitraum gelegen haben Vollständigen Verlauf prüfen Übersehener §-6-Anwendungsbereich
10. Gemeinen Wert aus einem einzelnen Börsen- oder Schätzwert ableiten Bewertung ist stichtags- und anteilsbezogen Professionellen Bewertungsprozess öffnen Falsche Bemessungsgrundlage
11. Alt- und Neurecht mischen Vor 2022 verwirklichte Fälle folgen grundsätzlich altem § 6 Ereignistag zuerst feststellen Falsche Stundungs- oder Rückkehrregel
12. Rückkehr oder entsprechende Nr.-2-/Nr.-3-Fälle als automatische Steuerbefreiung behandeln Sämtliche Voraussetzungen sind kumulativ und fallbezogen Zahlungen, Übertragungen, Erwerberstatus und Besteuerungsrecht überwachen Verlust der Begünstigung
13. Ereignis- und Jahresmeldung verwechseln Einmonatige Ereignismeldung und jährlicher 31. Juli sind getrennt Zwei Fristenkalender führen Vorzeitige Fälligkeit
14. 25 Prozent Abzug als Endsteuer ausgeben Abzug, DBA-Höchstbetrag und materielle Steuer sind verschieden Erhebung und Endbelastung trennen Unterlassene Erstattung oder falsche Erklärung
15. Den 5-Prozent-DBA-Satz auf natürliche Personen anwenden Natürliche Personen, Personengesellschaften und REIT-Gesellschaften sind ausgeschlossen Empfängertyp und Ausschlüsse vor Quote und Haltedauer prüfen Zu niedriger Quellensteueransatz
16. DBA-Erstattung als automatisch ansehen § 50c verlangt Verfahren und Nachweise BZSt-Antrag und Fristen dokumentieren Anspruchsverlust
17. Vollständige spanische Anrechnung des deutschen Abzugs unterstellen Nur abkommenskonforme, nachgewiesene Steuer im Höchstbetrag zählt Deutschen Erstattungsüberhang und spanischen Credit trennen Dauerhafte Doppelbelastung
18. Deutschen Wegzugsteuerwert automatisch in Spanien übernehmen Kein pauschaler spanischer Step-up Spanischen Erwerbswert separat bestimmen Doppelbesteuerung oder falscher Gewinn
19. KGaA-Sondervergütung als Dividende behandeln § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG ordnet gewerblich zu Zahlungstatbestand und DBA gesondert prüfen Falscher Art.-10-Pfad
20. Balearische Vermögensteuerwerte ohne spanisches Jahres- und Stichtagspaket nennen Regionale und jahresbezogene Regeln können entscheidend sein Stichtagsaktuelles spanisches Jahres- und Stichtagspaket verlangen Falsche Steuer- oder Befreiungsaussage

FAQ

1. Verlegt mein Umzug nach Mallorca den Sitz meiner AG?

Nein. Der Satzungssitz und die tatsächliche Geschäftsleitung der Gesellschaft sind vom privaten Wohnsitz des Aktionärs getrennt. Treffen Sie tatsächlich die maßgeblichen Leitungsentscheidungen aus Mallorca, muss jedoch ein eigener Unternehmenspfad geprüft werden.

2. Gilt das auch für eine SE?

Der persönliche Umzug verlegt auch den SE-Sitz nicht automatisch. Bei einer SE gilt zuerst die SE-Verordnung. Die Satzung folgt nur, soweit die Verordnung dies ausdrücklich zulässt; für nicht oder nur teilweise geregelte Bereiche gelten die besonderen SE-Regeln des Sitzstaats, dessen AG-Recht und die hiernach maßgebliche Satzung.

3. Ist ein Kommanditaktionär dasselbe wie ein persönlich haftender KGaA-Gesellschafter?

Nein. Der Kommanditaktionär ist am Aktienkapital beteiligt; der persönlich haftende Gesellschafter besitzt eine besondere Haftungs- und Geschäftsführungsstellung. Doppelrollen müssen dokumentiert werden.

4. Entscheidet das Aktienregister, wem Dividenden steuerlich zugerechnet werden?

Nicht allein. Der Registereintrag wirkt gegenüber der Gesellschaft. Steuerlich können rechtliches Eigentum, wirtschaftliche Zurechnung und Nutzungsberechtigung abweichen.

5. Bin ich nach der Abmeldung in Deutschland nicht mehr unbeschränkt steuerpflichtig?

Nicht zwingend. Entscheidend sind ein fortbestehender Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt nach §§ 8–9 AO, nicht allein die melderechtliche Abmeldung.

6. Machen mehr als 183 Tage auf Mallorca mich automatisch ausschließlich in Spanien ansässig?

Sie können spanische innerstaatliche Ansässigkeit begründen. Besteht zugleich deutsche Ansässigkeit und greift nicht der Protokollausschluss bei einer wirksamen Art.-93-Option, muss Art. 4 DBA vollständig angewendet werden, bevor eine ausschließliche DBA-Ansässigkeit feststeht.

7. Löst jede Beteiligung an einer AG die Wegzugsbesteuerung aus?

Nein. Erforderlich sind insbesondere ein Anteil im Sinne des § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG, grundsätzlich mindestens 1 Prozent innerhalb der letzten fünf Jahre, und die persönlichen Voraussetzungen nach § 6 Abs. 2 AStG. Grundsätzlich gilt der Sieben-aus-zwölf-Jahre-Test; bei zuvor entfallenem Rückkehrsteueranspruch ist die Sonderregel des Satzes 4 zu beachten.

8. Reicht es, wenn ich am Umzugstag weniger als 1 Prozent halte?

Nein. Auch ein aktuell kleinerer Anteil kann erfasst sein, wenn innerhalb der letzten fünf Jahre die Mindestquote erreicht war oder eine gesetzliche Rechtsvorgänger- beziehungsweise Sonderregel eingreift.

9. Welche drei Ereignisse kann § 6 AStG erfassen?

Das Ende der unbeschränkten Steuerpflicht durch Aufgabe von Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt, eine unentgeltliche Übertragung auf eine nicht unbeschränkt steuerpflichtige Person sowie subsidiär den Ausschluss oder die Beschränkung des deutschen Veräußerungsbesteuerungsrechts.

10. Kann ich die Wegzugsteuer in Raten zahlen?

Auf Antrag kann die festgesetzte Steuer des aktuellen Regimes in sieben gleichen unverzinslichen Jahresraten gezahlt werden, regelmäßig gegen Sicherheit. Erste Rate, Folgeraten, vorzeitige Fälligkeit und Meldungen haben eigene Regeln.

11. Entfällt die Steuer automatisch, wenn ich nach Deutschland zurückkehre?

Nein. Im Nr.-1-Fall muss die Person grundsätzlich innerhalb von sieben Jahren zurückkehren und sämtliche Voraussetzungen kumulativ erfüllen; eine Verlängerung um insgesamt höchstens fünf Jahre setzt einen Antrag und fortbestehende Rückkehrabsicht voraus. Entsprechend gelten die Regeln auch bei einem nur vorübergehenden Nr.-3-Ausschluss sowie beim Nr.-2-Erwerber, wenn die unentgeltliche Übertragung an eine natürliche Person erfolgt und diese innerhalb von sieben Jahren unbeschränkt steuerpflichtig wird.

12. Welche Meldungen gelten während des §-6-Pfads?

Meldepflichtige Ereignisse sind grundsätzlich innerhalb eines Monats elektronisch mitzuteilen. Anschrift und fortbestehende Zurechnung sind zusätzlich jährlich bis zum 31. Juli zu bestätigen.

13. Sind 25 Prozent deutsche Kapitalertragsteuer meine endgültige Dividendensteuer?

Nicht automatisch. Die 25 Prozent sind zunächst der deutsche Abzug. Innerstaatliche Steuerpflicht, DBA-Höchstbetrag, BZSt-Entlastung und spanische Anrechnung sind getrennt zu bestimmen.

14. Gilt für mich als natürlicher Aktionär der 5-Prozent-Satz des DBA?

Nein. Der 5-Prozent-Satz setzt eine nutzungsberechtigte Gesellschaft voraus, die weder Personengesellschaft noch REIT-Gesellschaft ist, unmittelbar mindestens 10 Prozent hält und den 365-Tage-Test erfüllt. Für einen nutzungsberechtigten natürlichen Aktionär gilt grundsätzlich der 15-Prozent-Höchstbetrag.

15. Wird der deutsche Abzug automatisch auf 15 Prozent reduziert?

Nein. Das deutsche Abzugsverfahren gilt zunächst weiter. Eine natürliche Person muss eine mögliche Erstattung nach § 50c EStG mit Ansässigkeits-, Zahlungs- und Zurechnungsnachweisen beantragen.

16. Rechnet Spanien den gesamten deutschen Einbehalt an?

Nicht zwingend. Anrechenbar ist nur nachgewiesene und abkommenskonforme deutsche Steuer innerhalb des niedrigeren gesetzlichen beziehungsweise abkommensrechtlichen Höchstbetrags.

17. Übernimmt Spanien den deutschen Wegzugsteuerwert als Anschaffungskosten?

Nicht pauschal. Der spanische Erwerbswert, Kapitalmaßnahmen, Verlustregeln und eine tatsächlich entrichtete deutsche Steuer müssen nach spanischem Recht gesondert geprüft werden.

18. Wo wird ein späterer Aktienverkauf besteuert?

Zuerst ist deutsches innerstaatliches Recht zu prüfen. Soweit Art. 13 DBA nicht durch eine wirksame Art.-93-Option ausgeschlossen ist, entscheidet er unter anderem nach Immobiliengesellschaft, Betriebsstättenzuordnung und Fünfjahres-Wegzugsregel. Anschließend folgt die spanische Bemessung.

19. Ist die Vergütung eines persönlich haftenden KGaA-Gesellschafters eine Dividende?

Nicht, soweit § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 EStG Gewinnanteile außerhalb des Grundkapitals oder Tätigkeits-, Darlehens- und Nutzungsvergütungen als gewerbliche Einkünfte einordnet. Die DBA-Folge benötigt eine eigene Akte.

20. Gilt das spanische Impatriatenregime automatisch nach dem Zuzug?

Nein. Art. 93 LIRPF ist ein frist- und tatbestandsgebundenes Wahlrecht. Bloße Aktionärseigenschaft genügt nicht; eine Administratorrolle muss ihren eigenen Zugangstatbestand erfüllen. Bei wirksamer Option gilt für die spanische Vermögensteuer die obligación real. Außerdem schließt Ziffer II des DBA-Protokolls Art. 4 sowie Art. 6 bis 21 aus; die normalen DBA-Regeln zu Dividenden, Verkauf und Organvergütung dürfen dann nicht weiterverwendet werden.

21. Fällt jede Organvergütung unter Art. 15 DBA?

Nein. Art. 15 betrifft Aufsichtsrats- und Verwaltungsratsvergütungen in dieser Eigenschaft. Vorstandsvergütungen und operative Arbeitsvergütungen sind regelmäßig nach Art. 14 oder einem anderen einschlägigen Artikel zu prüfen. Bei wirksamer Art.-93-Option sind beide Artikel nach dem DBA-Protokoll ausgeschlossen.

22. Ist eine Liquidationsauszahlung automatisch eine Dividende?

Nein. Einlagenrückgewähr, laufende Gewinne, Liquidationsüberschuss, Anschaffungskosten und Untergang der Beteiligung müssen getrennt werden. Erst danach ist eine Zuordnung zu Dividenden- oder Veräußerungsregeln möglich.

23. Ab welchem Vermögen ist die Solidaritätssteuer zu prüfen?

Der gesetzliche Tatbestand betrifft ein Nettovermögen von mehr als 3.000.000 Euro. Daraus folgt noch keine konkrete Bemessungsgrundlage oder Zahllast.

24. Kann der Artikel meine persönliche Gestaltung abschließend beurteilen?

Nein. Fehlt eine für den jeweiligen Pfad wesentliche Rollen-, Ansässigkeits-, Beteiligungs-, Bewertungs-, Zahlungs-, Verkaufs- oder Vermögensunterlage, bleibt die individuelle Beurteilung offen.

Rechtsstand und amtliche Quellen

Rechtsstand ist der 9. August 2026. Spätere Normänderungen werden nicht rückwirkend angewendet. Tatbestand, Zahlung, Übertragung, Verkauf, Ansässigkeitswechsel und Vermögensstichtag werden jeweils nach dem für das Ereignis geltenden Recht geprüft. Die DBA-Prüfung berücksichtigt die seit dem 1. Januar 2025 wirksamen MLI-Ergänzungen.