Artikel anhören
HörfassungSchweiz: Unternehmer drohen mit Abwanderung
Könnte der Schweiz eine Abwanderung der Superreichen drohen? Unternehmer wie Peter Spuhler spielen lautstark mit dem Gedanken, das Land zu verlassen, sollte die Juso-Initiative zur Erbschaftsteuer umgesetzt werden. Obwohl der Bundesrat die Initiative im Mai ablehnte und sie außerhalb der Juso kaum Unterstützung findet, bleibt die Unsicherheit bestehen, und es werden Handlungsoptionen wie ein vorübergehender Wohnsitz im Ausland durchgespielt.
Angesichts eines vorgeschlagenen Steuersatzes von 50 Prozent auf Vermögen über 50 Millionen Franken wollen Betroffene kein Risiko eingehen, zumal die Initiative sofort nach ihrer Annahme gelten würde. Die Einnahmen will die Jungpartei für sozial gerechte Klimaschutzmaßnahmen und den „ökologischen Umbau der Wirtschaft“ einsetzen will.
Großbritannien: Abschaffung des „Non-Dom“-Status
Die neue Labour-Regierung in Großbritannien plant die Abschaffung des 225 Jahre alten „Non-Dom“-Status bis 2025. Diese Regelung – Non-Dom steht für „Nicht-Domizilierte“ – ermöglicht es bislang reichen Ausländern, in Großbritannien zu wohnen, ohne ihr ausländisches Vermögen dort versteuern zu müssen. Der spezielle Steuerstatus stammt noch aus Zeiten des Empire und des Kolonialreichs, als etwa britische Offiziere und Beamte lange Zeit im Ausland stationiert waren, kommt aber bis heute vielen Wohlhabenden zugute, vor allem Ausländern.
Laut Statistiken lebten zuletzt knapp 70.000 Non-Doms in Großbritannien. Von ihnen hatte gut die Hälfte einen speziellen Steuerstatus und führte deswegen die Steuern auf ausländische Vermögenserträge und Einkünfte im Ausland statt in Großbritannien ab. Von diesen Non-Doms denken nun nicht wenige darüber nach, das Land zu verlassen. Laut dem Beratungsunternehmen Henley & Partners verlassen im laufenden Jahr voraussichtlich 9.500 Millionäre das Land – mehr als doppelt so viele wie vergangenes Vorjahr. Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexit und politischen Turbulenzen gelten Änderungen der Steuergesetze als wesentliche Motivation.
Frankreich: Linksbündnis plant Steuererhöhungen
Auch in Frankreich befürchten Vermögensverwalter einen Exodus wohlhabender Einwohner in Länder mit niedrigeren Steuern. Anlass ist die fiskalpolitische Agenda des linken Parteienbündnisses "Nouveau Front populaire", das vor kurzem die Parlamentswahlen gewonnen hat und nun umfangreiche Steuererhöhungen für die Reichsten vorbereitet. Dazu gehören die Wiedereinführung der von Macron abgeschafften Vermögensteuer und höhere Einkommensteuern – der höchste der geplanten Sätze besteuert Jahreseinkommen über 400.000 Euro mit bis zu 90 Prozent. Was davon letztendlich umgesetzt wird, hängt allerdings noch vom Ergebnis der Regierungsbildung ab.
Fazit: Steuerpläne sorgen für große Unsicherheit
Auch wenn noch nicht feststeht, welche Forderungen und Pläne letztendlich Realität werden – in vielen Ländern Europas machen derzeit Steuerpläne die Superreichen nervös. Die Unsicherheit treibt viele dazu, ihre Zukunft im Ausland zu planen, zumal andere Länder mit eigenen Programmen versuchen, begüterte Steuerzahler für sich zu gewinnen - Die Steuerpläne setzen Superreiche in Europa in Bewegung. Wir raten, sich über die verfügbaren Handlungsoptionen und ihre umfassenden Konsequenzen zu informieren. Die kommenden Jahre könnten eine Wanderungswelle der Wohlhabenden in Europa bringen.
Podcastfolgen zum Thema
- Im ständigen Krisenmodus: Kann Europa bestehen?Jean Asselborn (luxemburgischer Außenminister bis 2023) zur Lage der EU in schwierigen Zeiten.
- "Die Familienstiftung" - Erfolgreiches Event der PlattesGroupDie Navy-Seals des internationalen Steuerrechts über Gestaltungsmodelle in der DACHLie-Region
- NEU DENKEN 2024 #3: Wohin steuern Deutschland und Europa?Aktuelles zum großen Mallorca-Wirtschaftsforum mit Sabine Christiansen.
- Katar & Co: Auf dem Weg zum neuen Europa?Die Golf-Staaten als Wirtschaftsmacht und Ziel vieler Deutscher.
- Adiós Weltmacht: Wird Europa das neue Venedig?So kann der deutsche Mittelstand in der neuen multipolaren Weltordnung weiterhin navigieren.
Weiterführende Informationen zum Thema
- Deutsche Wegzugsbesteuerung: Wegweisendes BFH-Urteil zur dauerhaften Stundung!Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass die Wegzugsbesteuerung bei einem Wegzug in die Schweiz – obwohl im Gesetz so nicht vorgesehen – dauerhaft und zinslos zu stunden ist.
- Ansässig oder nicht? Alles eine Frage der ZeitDas Verwaltungsgericht in Madrid legt Kriterien fest, wie die 183-Tage-Hürde gehandhabt wird. Wer sich mehr als sechs Monate im Kalenderjahr in Spanien aufhält, gilt als ansässig und wird somit steuerpflichtig.
- Die deutsche Elite flieht nach MallorcaViele Unternehmer, Berater und Gründer haben keine Lust mehr auf Deutschland - und bescheren Mallorca einen erneuten Boom, schreibt das Wirtschaftsmagazin "Capital".








