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HörfassungVergangene Woche stand Friederike Driftmann-Egelhof, Chefin von Peter Kölln, auf der Bühne der MyWay 2026 von ThePioneer. Sie fasste die Geschichte ihres Unternehmens in einem einzigen Satz zusammen: „Die Mühle muss sich drehen.“
Peter Kölln aus Elmshorn hat über 200 Jahre Firmengeschichte, die Wurzeln der Mühle reichen bis 1795 zurück. Die Familie hat zwei Weltkriege überstanden, Krisen, Moden und veränderte Frühstücksgewohnheiten. Als die Haferflocke Konkurrenz vom Schokoaufstrich bekam, erfand man das Schokomüsli. Es gab keinen Ruf nach dem Staat, keine Subvention, keinen Schutzzaun. Die Devise hieß: anstrengen, etwas einfallen lassen, auf die eigene Kraft vertrauen. Die Mühle musste sich drehen.
Ich kenne diesen Satz. Nicht wörtlich, aber sinngemäß höre ich ihn von fast jedem Unternehmer, mit dem wir arbeiten. Er ist das stille Betriebssystem des deutschen Mittelstands.
Und ich habe den Eindruck, dass die Politik dieses Betriebssystem gerade abschaltet.
Ein Papier, das mich erschüttert hat
In der vergangenen Woche hat der SPD-Vorstand ein Positionspapier beschlossen. Darin ist von einem „New Deal“ für Deutschland die Rede. Gefordert werden dauerhafte staatliche Preisdeckel für Sprit und Pflegekosten, höhere Steuern für Unternehmen und ein stärkerer Zugriff auf Erbschaften und Schenkungen.
Jede Forderung für sich lässt sich politisch begründen. In der Kombination aber erkenne ich eine klare Richtung: Der Staat soll bestimmen, welche Preise zumutbar sind, welche Branchen gefördert werden und welche Vermögen die Rechnung bezahlen.
Ein Preis ist aber keine Zumutung, sondern eine Information. Er zeigt, wo etwas knapp ist. Wer ihn deckelt, schaltet das Signal ab, nicht die Knappheit. Tomaso Duso, der Vorsitzende der Monopolkommission, hat über den Spritpreisdeckel gesagt: „Der Spritpreisdeckel ist noch viel schlimmer als der Tankrabatt.“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen.
Besonders trifft es die Unternehmerfamilien. Betriebsvermögen ist kein Sparbuch. Es steckt in Maschinen, Gebäuden und Arbeitsplätzen. Warum die Debatte um die Erbschaftsteuer gerade jetzt brisant ist, zumal das Bundesverfassungsgericht am 13. Oktober über die Verschonung von Betriebsvermögen verhandelt, habe ich einer eigenen News ausführlich beschrieben.
Warum Nationen scheitern
2012 erschien ein Buch, das mir seither nicht aus dem Kopf geht: „Why Nations Fail“ von Daron Acemoğlu und James A. Robinson. 2024 erhielten die beiden gemeinsam mit Simon Johnson den Wirtschaftsnobelpreis. Sie haben untersucht, warum Staaten aufsteigen und warum sie untergehen.
Das Muster ist bei allen Unterschieden im Detail erstaunlich gleich. Am Anfang steht ein Staat, der Eigentumsrechte und offene Märkte nicht mehr verlässlich garantiert. Preise dürfen keine Knappheit mehr anzeigen. Neue Technologien werden gebremst statt genutzt. Die Politik schiebt sich vor die Wirtschaft und muss in der Folge immer häufiger als Reparaturbetrieb ausrücken. Die Innovation verlangsamt sich, die Sozialkosten steigen. Aus dem Tugendkreis wird ein Teufelskreis.
Als ich das Buch zum ersten Mal las, war es für mich eine historische Analyse. Heute lese ich es wie eine Beschreibung der Gegenwart. Das erschüttert mich.
Was ich in unseren Gesprächen höre
Wir führen derzeit sehr viele Gespräche: mit unserer Mandantschaft, mit Unternehmerfamilien und mit den Referenten unserer Mandelblüte. Der Tenor ist bemerkenswert einheitlich. Die Unternehmer, die dieses Land am Laufen halten, sehen einen klaren Weg in eine Art Planwirtschaft. Und sie haben aufgehört, von der Politik Lösungen zu erwarten.
Das ist keine Politikverdrossenheit. Es ist eine nüchterne Bilanz.
Eigene Wege
Ohne Politik geht es nicht. Ein leistungsfähiger Staat ist unverzichtbar. Er baut Infrastruktur, sichert Wettbewerb und schützt die, der Schutz braucht. Aber auf die Politik zu warten, funktioniert nicht mehr.
Für uns als Mittelstand heißt das: Wir müssen eigene Wege finden. Wir sollten Nachfolgen vorbereiten, bevor andere die Regeln ändern, Liquidität sichern, bevor sie gebraucht wird, und Netzwerke knüpfen, die tragen, wenn Berlin nicht liefert. Die Verantwortung für das eigene Unternehmen lässt sich nicht vertagen.
Genau darüber sprechen wir bei der Mandelblüte vom 28. bis 30. Januar 2027 auf Mallorca, gemeinsam mit unserem Medienpartner ThePioneer. Die Themen dieses Beitrags werden dort mit Unternehmern, Fachleuten und Entscheidern vertieft und erweitert.
Meine Frage an Sie: Wo haben Sie aufgehört, auf die Politik zu warten, und was machen Sie seitdem anders?
Meine Frage an das Podium im Januar: Was muss passieren, damit Unternehmer in Deutschland wieder in Generationen denken können statt in Legislaturperioden?
Die Mühle muss sich drehen. Und wenn Berlin nicht mit dreht, drehen wir sie selbst.
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- Höhere Erbschaftsteuerbelastung in Deutschland? Die Stunde der Entscheidung nahtIm Zentrum steht die Frage, ob die Begünstigungen für Betriebsvermögen bei Erbschaft- und Schenkungsteuer mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Das Verfahren, die Positionen.




