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HörfassungSein Ziel: die führende Plattform für die Energy Transformation in Europa aufzubauen, mit geplantem Börsengang im Jahr 2028/29. Markus Baumann, Gründer und CEO von aurivolt, ist einer von zahlreichen Referenten beim Mandelblüten-Event der PlattesGroup im Januar 2027 rund um den Standort Deutschland, den Innovationsvorsprung in China, Cybersicherheit und grenzüberschreitende Nachfolgeplanung. Das Unternehmen aurivolt ist auch Partner des Events.
Baumann ist seit 1999 erfolgreicher Familienunternehmer im Mittelstand. Seine unternehmerische Laufbahn führte von der dezentralen Wasser- und Umwelttechnik über die Photovoltaik bis zur Gründung von aurivolt, einem der am schnellsten wachsenden Energieunternehmen Deutschlands. Mit aurivolt baut er Infrastruktur für die Energiewende: dezentrale Batteriespeicher, die als intelligenter Schwarm zusammenarbeiten, und Schwarm-Rechenzentren, die Datensouveränität physisch im europäischen Raum verankern.
Die hohen Strompreise bedrohen den Wirtschaftsstandort Deutschland. Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Ihren Gesprächspartnern?
Wir sprechen viel mit Unternehmen, die nicht permanent einen hohen Stromverbrauch, sondern Lastspitzen haben. Da ist die Situation besonders extrem. Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Spritzguss-Unternehmen, das montags morgens die Maschinen hochfährt. Diese halbe Stunde Spitzenverbrauch ist dann ausschlaggebend für die Leistungsentgelte, also für die Leistung, die der Netzbetreiber für dieses Unternehmen immer vorhalten muss. Würde man nun einen Batteriespeicher einsetzen, der vorher am Wochenende geladen worden ist, ließen sich diese Spitzen vermeiden. Und damit kann man die durchschnittlichen Stromkosten solcher Unternehmen senken. Photovoltaik bietet einzelnen Unternehmen natürlich Lösungen. Doch letztendlich sind die Strompreise ein politisches Thema, weil der Ausbau von Batteriespeichern zu langsam vorangeht und Anschlüsse fehlen.
Eine weitere Sorge ist die Energiesouveränität. Wie ließe sich erreichen, angesichts der zunehmenden geopolitischen Krisen weniger von diesen abhängig zu sein?
Was den einzelnen Unternehmer angeht: Man kann möglichst viel Photovoltaik in Verbindung mit Batteriespeichern installieren. So kann ich den Strom, den ich tagsüber oder am Wochenende im Überschuss erzeuge, morgens oder abends nutzen. Das funktioniert allerdings in den seltensten Fällen zu hundert Prozent. Gesamtwirtschaftlich gesehen müssen wir die geplante grundlegende Reform des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) berücksichtigen, die gerade in Bundestag und Bundesrat diskutiert wird. Falls die Einspeisevergütung für Solaranlagen auf die Hälfte begrenzt wird, ist das natürlich kontraproduktiv. Wenn sich die Bundesländer nicht durchsetzen, wäre das ein Rückschlag für den Strompreis. Denn wenn Photovoltaikanlagen weniger einspeisen, brauchen wir noch mehr teure Gaskraftwerke.
Wie kann man als Unternehmer planen, wenn man dieses regulatorische Risiko am Horizont hat?
Meine ehrliche Antwort: gar nicht. Der Betreiber eines Industriebetriebs, der viel Strom verbraucht, muss sich tatsächlich fragen, ob er das noch in Deutschland tun will. Die Entwicklung der Energiekosten ist angesichts der politischen Lage kaum absehbar, und diese Diskussion führt zu einer enormen Investitionsunsicherheit. Das gilt auch für große Datenspeicherprojekte oder Investitionen in große Bauprojekte. Ich nehme die derzeitige Situation als extrem volatil wahr.
Was bedeutet diese Entwicklung für künftige Erträge durch die Einspeisung, für Unternehmer, die jetzt Investitionen angehen?
Die Einspeisung hat schon noch großes Potenzial. Es hängt davon ab, wie viel Fläche ich als Unternehmen überhaupt zur Verfügung habe, um Photovoltaik zu installieren. Ein Batteriespeicher ist im Winter wegen der geringen Photovoltaik-Produktion weniger ausgelastet. Aber dieser Speicher kann dann für den Arbitragehandel an den Börsen genutzt werden: Der Speicher lädt also Strom, wenn der Börsenstrompreis sehr niedrig oder sogar negativ ist. Er gibt den Strom später wieder ab, wenn der Preis deutlich höher ist. Die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis ist die Grundlage des Erlöses. Wegen dieser beiden Erlösmodelle lohnen sich solche Investitionen in jedem Fall.
Wenn wir uns nun vorstellen, dass viele Investoren Batteriespeicher bauen und diese Preisunterschiede nutzen – kann der Markt dann nicht irgendwann so effizient werden, dass sich die Speicher ihre eigene Rendite wegkonkurrieren?
Eine solche Kannibalisierung wird passieren. Da müssen wir aber zwei Aspekte bedenken. Zum einen ist der Photovoltaikzubau derzeit immer noch viel höher als der Speicherzubau. Das heißt, die Schere geht weiter auseinander. Gutachter erwarten für die nächsten drei Jahre größere Preisunterschiede und mehr Stunden mit negativen Strompreisen. Die Erlöse bei Speichern werden also zunächst weiterhin steigen. Bis dahin haben sich die Anlagen in der Regel bezahlt gemacht. Angebot und Nachfrage werden den Preis regulieren – künftige Investoren müssen die Wirtschaftlichkeit neu bewerten.
Stichwort Schwarmspeicher: Warum sind tausend kleine Anlagen intelligenter als wenige große zentrale Anlagen?
Kleine Speicher lassen sich schneller bauen, weil im sogenannten Niederspannungsnetz 125 Kilowatt Anschlussleistung reichen. Teilweise bekommen wir innerhalb von zwei bis vier Wochen eine Anschlussgenehmigung. Zudem brauchen wir wegen der geringen Größe der Anlagen in der Regel keine Baugenehmigung. Darüber hinaus entlasten dezentrale Batteriespeicher die Hochspannungstrassen: Der Strom ist zum großen Teil bereits dort, wo er gebraucht wird, nämlich in den Gewerbegebieten.
Könnten dezentrale Speicheranlagen den weiteren, teuren Ausbau der Netze unnötig machen?
Nötig ist der Netzausbau auf jeden Fall. Aber wir können die Kosten abmildern. Viele Mittelspannungsleitungen müssten gar nicht mehr so stark ausgebaut werden, wenn man die dezentralen Speicher intelligent einsetzt. Hinzu kommt: Die Batteriespeicher werden privat finanziert und nicht von der öffentlichen Hand. Man kann also auch die öffentlichen Investitionen reduzieren.
Was bedeuten solche intelligenten Netze mit dezentralen Speichern für die Sicherheit, Stichwort Cyberattacken?
Ab einer gewissen Größenordnung gelten die Anlagen als kritische Infrastruktur. Wobei die Verbindung nicht über das Glasfasernetz besteht, sondern über den Mobilfunkstandard GSM, also über Funk, und die Server werden bei kritischer Infrastruktur abgeschirmt. Es gibt auch keine Cloud in den USA. Vor diesem Hintergrund beginnen wir jetzt auch mit dem Bau dezentraler Rechenzentren, die physisch ausschließlich in Deutschland stehen, um solche Daten sicherer zu machen. Unsere lokalen Speicher laufen nicht über eine einzige Zentrale, sondern über mehrere Cluster. Es wäre also schwierig, alle unsere Speicher gleichzeitig zu kapern, auszuschalten oder zu sabotieren. Ähnlich verhält es sich bei der Gefahr durch Drohnenangriffe. Bei mehreren tausend Einheiten an verschiedenen Standorten in ganz Europa ist es schwierig, diese Infrastruktur komplett lahmzulegen.
Dank der Redundanz im System?
Stellen Sie sich vor, ein 500-Megawatt-Speicher wird sabotiert und diese Leistung fehlt dann im System. Bei uns wären es dagegen nur 200 bis 400 Kilowatt pro Standort – das ist nichts im gesamten Energiesystem.
Was würden Sie sich von der Politik wünschen, um den Ausbau mit dezentralen Speichern voranzutreiben?
Ich würde mir wünschen, dass die Politik überhaupt auf dem Schirm hat, dass man auch dezentrale Speicher bauen kann. Das hat sie nämlich bislang nicht. Bei den bisherigen Regulierungen wird vor allem an Großspeicher gedacht, die Niederspannungsebene kommt da so gut wie gar nicht vor. Das hat aber auch Vorteile, etwa hinsichtlich der geplanten dynamischen Netzentgelte. Damit müssen sich jetzt erst einmal die Betreiber von Großspeichern auf der Höchst- und Mittelspannungsebene auseinandersetzen. Es wird noch mindestens ein paar Jahre dauern, bis sie auch auf der Niederspannungsebene erhoben werden.
Wie wird sich der Stellenwert der Energieversorgung innerhalb der Unternehmensstrategie in den kommenden fünf bis zehn Jahren wandeln, etwa im Vergleich zu Finanzierung, IT oder Lieferketten?
Die Bedeutung wird weiter wachsen, schon allein wegen der steigenden Stromkosten. Wir werden auch mehr Elektromobilität bekommen, gerade im Nutzfahrzeugbereich. Auch bei Heizung und Klimatisierung wird immer mehr elektrifiziert. Hinzu kommen KI und Robotik. Ich bin mir sicher, dass das Thema Energie in den kommenden Jahren für die Unternehmen und den Standort Deutschland immer entscheidender wird.
Welchen Tipp würden Sie vor diesem Hintergrund den Unternehmern geben, die wir zum Mandelblüten-Event im Januar erwarten?
Das ist eine knifflige Frage. Spontan würde ich sagen: Bauen Sie Photovoltaik aufs Dach, setzen Sie einen Speicher daneben und schauen Sie, dass Sie Ihren Strombedarf weitestgehend darüber decken. Das gilt allerdings mit der Einschränkung, dass man nicht einschätzen kann, wie wirtschaftlich die Einspeisung überschüssiger Energie in Zukunft sein wird. Nötig ist also eine sorgfältige Planung der Kapazität, die man bislang eher großzügig konzipiert hat.
Bei unserem Event “Familienvermögen in Krisenzeiten” Ende Januar 2027 geht es drei Tage lang um den Standort Deutschland und den Innovationsvorsprung in China, um Cybersicherheit sowie um grenzüberschreitende Nachfolgeplanung.
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